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Hier werden die Beiträge des Referenten für Öffentlichkeitsarbeit veröffentlicht, die in der Rochade Europa und anderen Fachzeitschriften erscheinen.

Oktober 2003

September 2003

Mai 2003
April 2003
Februar 2003
Januar 2003
Dezember 2002
November 2002
Oktober 2002
September 2002
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Mai 2002
April 2002
März 2002

OKTOBER 2003

80 Jahre Ludwig Schirner: Großer Bahnhof in Hochstadt

Fotos vom Geburtstag:
Bildergalerie

Zahlreiche Weggefährten aus nah und fern kamen, um dem ,,Guten Ludwig'' zu gratulieren: Der 80. Geburtstag unseres Ehrenpräsidenten Ludwig Schirner war ein Ereignis. Zum ,,großen Bahnhof'' in Hochstadt kamen auch Vertreter des BVO, allen voran Präsident Hans Blinzler. Seine Laudatio könnt ihr hier nachlesen.



SEPTEMBER 2003

Schach in all seinen Variationen gezeigt
Umfangreiches Programm des Kronacher Schachklubs

Foto-Eindrücke:
Hier geht's zur Bildergalerie

Im Rahmen des Altstadtfestes hatte sich der Kronacher Schachklub (KSK) vorgenommen, das Königliche Spiel in all seinen Variationen zu präsentieren. Zur Vorstellung des Turnierschachs war eine Mannschaft des SC Heilsbronn angereist, die in der Bezirksliga spielt. Da die gastfreundlichen Kronacher eine kombinierte Mannschaft aus allen vier Turnierteams aufboten, war der Ausgang ziemlich eindeutig und die Gäste holten nach zweieinhalb Stunden einen 6:3-Erfolg. Die einzigen Siege der Gastgeber erzielten dabei Alex Becker am Spitzenbrett sowie der Jugendliche Dominik Biniszewski an Brett 8, am "Vorstandsbrett" trennten sich die Vereinsvorsitzenden Blinzler und Frank ebenso remis wie Hans-Chr. Weigand an Brett 3.
Auch beim anschließenden spannenden Blitzschachturnier setzte sich mit Udo Röschinger ein Heilsbronner bei 8 Punkten aus 9 Partien durch, der aber bis zur letzten Runde von seinen härtesten Konkurrenten Ludwig Zier (Wunsiedel), 2. mit ½ Punkt weniger sowie Hans Blinzler (KSK), 3. mit 6,5 Punkten, und dem Heilsbronner Vorsitzenden Werner Frank, 4. mit 6 Punkten, früher für Kronach spielend, bedrängt wurde.
Die Sparte Schnellschach wurde durch die Jugend präsentiert, die unter Leitung von Hans-G. Neuberg ein Turnier austrug. Hier siegte Verena Zier aus Wunsiedel vor ihrem Bruder Oliver und dem Kronacher Johannes Lang, bei 6 Teilnehmern.
Den ganzen Tag über waren die Gartenschach-Figuren der beiden Kronacher Realschulen aufgebaut, was auch eifrig von den zahlreichen Besuchern genutzt wurde. KSK-Lehrwart Alex Becker beschränkte sich in seiner Schulschach-Stunde dagegen auf wenige ausgewählte Jugendspieler, die eifrig an seinem Unterricht teilnahmen.
Eine besondere Attraktion der Schachpräsentation war der Auftritt des mehrmaligen deutschen Blindenschachmeisters Ludwig Zier, der vom Moderator der Kronacher Ulrich Herdin zunächst interviewt wurde und dann eine Probe seines Könnens mit einem Sieg gegen den Bezirks-Breitenschachreferenten Markus Bergmann demonstrierte. Eine Glanzleistung war sein Blind-Simultan-Wettkampf gegen drei Gegner, "von 8 bis 80", die er ausnahmslos souverän gewann.
Die gelungene Schach-Werbeveranstaltung des KSK wurde mit der Ziehung der Preisträger des ganztägig durchgeführten Problemlöse-Wettbewerbs abgeschlossen, wobei Spielleiter Hans-G. Neuberg den Preisträgern aus Stadt und Landkreis einige interessante Sachpreise überreichen konnte.
(Bericht von Hans Blinzler)



MAI 2003

Hauptversammlung im Schachbezirk:
Die große Reform fällt aus

Eine richtungsweisende Hauptversammlung des Schachbezirks Oberfranken ist in Helmbrechts über die Bühne gegangen. Die wichtigste Entscheidung der Delegierten aus 60 von 75 Vereinen: Die geplante Reform der Schachkreise findet nicht statt.

Lange zog sich die Diskussion über das Für und Wider einer Strukturreform hin, die auch der Ehrengast - Dr. Klaus-Norbert Münch, Präsident des Bayerischen Schachbunds - mit Interesse verfolgte. Hintergrund: In Oberfranken gibt es sechs Schachkreise. Einige davon, unter anderem der Schachkreis Bayreuth, sind kaum mehr überlebensfähig; ihr Spielbetrieb und ihre Organisation stehen nur noch auf wackligen Füßen. Deshalb startete der Bezirksverband eine Initiative, um Fusionen von Schachkreisen zu forcieren. Ziel der Verbandsoberen war die Bildung von nur noch zwei Kreisen - einem im Osten und einem im Westen Oberfrankens. Ein Gegenvorschlag, den der Schachkreis Hof vorlegte, sah eine Reduzierung auf vier Kreise vor. Nach kontroverser, aber sachlicher Debatte kam es zur Abstimmung: Die Zwei-Kreis-Lösung fand nicht die Zweidrittel-Mehrheit, die für die entsprechende Satzungsänderung notwendig gewesen wäre. Der Vier-Kreis-Vorschlag wurde daraufhin zurückgezogen.
Somit bleibt es weiterhin bei sechs Schachkreisen. In der Versammlung kristallisierte sich jedoch heraus, dass es in absehbarer Zeit ohnehin zur Reduzierung der Schachkreise kommen dürfte. Als wahrscheinlich gilt, dass sich die Vereine aus dem Schachkreis Bayreuth dem Schachkreis Hof anschließen.
Einen Abgang musste der Schachkreis Bayreuth schon in der Versammlung hinnehmen: Der Schachclub Hollfeld wechselt in den Schachkreis Bamberg und bildet künftig eine Spielgemeinschaft mit dem Schachclub Memmelsdorf. Damit ergeben sich Verschiebungen im Spielbetrieb: In der Bezirksliga II Ost wird ein Platz frei; das angesetzte Relegationsspiel zwischen Marktleuthen II und Kulmbach II ist somit hinfällig - beide Mannschaften spielen ab September in der zweiten Ost-Liga, die weiterhin zehn Teams umfasst. Zwölf Mannschaften - inklusive Hollfeld - sind dagegen in der Bezirksliga II West versammelt.
Die Kämpfe in der Bezirksliga I und den beiden zweiten Ligen beginnen auch in Zukunft sonntags um 9 Uhr. Ein Antrag, den Wettkampfbeginn auf 10 Uhr zu verlegen, wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Aus den Berichten der Referenten ging unter anderem die Mitgliederentwicklung im Schachverband hervor: Demnach ist seit 1994 eine Stagnation bei den Mitgliederzahlen im Erwachsenenbereich festzustellen; dem steht jedoch eine Zunahme bei den Jugendlichen entgegen.
Die Sitzung zog sich über insgesamt fast sieben Stunden hin, weil Diskussionen über das Protokoll der Versammlung 2002 sowie über Fragen der Entlastung und des Sitzungsablaufs breiten Raum einnahmen. Für die Verantwortlichen um Präsident Hans Blinzler aus Kronach gab es aber auch angenehme Pflichten: Bernd Roth, seit 20 Jahren Spielleiter im Schachkreis Marktredwitz/Stiftland, wurde mit der goldenen Ehrennadel des Bezirks ausgezeichnet.
(aus der Frankenpost)



APRIL 2003

Bezirksligen 2002/03:
Jubel in Kulmbach, Thiersheim und Neustadt

Bezirksliga 1
Ein herzlicher Glückwunsch geht nach Kulmbach! Der Schachklub 1907 hat die Meisterschaft in der Oberfrankenliga gewonnen und steigt damit in die Regionalliga Nord-West auf! Meisterlich spielten die Bierstädter bereits in der vorletzten Runde auf: Nach einem 5,5:2,5 gegen Bamberg 3 war ihnen der Titel kaum mehr zu nehmen. Und diesmal - endlich! - stolperte Kulmbach auch nicht mehr im Finale. Ein 4:4 gegen Hallstadt reichte zu Platz eins. Nach langjährigen Bemühungen ist Kulmbach die Nummer eins in Oberfranken.
Nordhalben hat um einen Punkt das Nachsehen. Wie schon im Vorjahr fehlte nach einer starken Saison nur ein Quäntchen, um ganz oben zu stehen.
Im Keller der B1 herrschten schon am vorletzten Spieltag klare Verhältnisse: Waldsassen/Wiesau und Pegnitz-Creußen retteten sich durch ein 4:4 im direkten Duell beide vor dem Abstieg. In die West-Liga 2 steigen die abgeschlagen Michelauer und - trotz eines starken Endspurts - auch die Hallstadter ab. Die Aufsteiger Sonneberg und Helmbrechts dagegen dürfen sich freuen: Sie bleiben mit ausgeglichenem Punktverhältnis verdientermaßen ,,drin''.
Interessant, dass unter den besten zehn Spielern dieser Saison nur ein Akteur aus Kulmbach auftaucht, dafür aber drei von Pegnitz-Creußen. Das spricht für starke Einzelkönner in dem Doppelverein - und für eine geschlossene Mannschaftsleistung beim Meister.

Bezirksliga 2 Ost
Wie schon im Vorjahr musste die Brettpunkt-Bilanz über den Meister in der Bezirksliga II Ost entscheiden. Diesmal hatte der SV Thiersheim im Foto-Finish die Nase vorn. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großen Erfolg für den Schachverein! Ab September werden auch die Vereine aus dem Westen Oberfrankens wissen, wo Thiersheim auf der Landkarte zu finden ist.
Ihr Meisterstück machten die Thiersheimer im abschließenden Spitzenspiel gegen den Drittplatzierten Kirchenlamitz. 6,5:1,5 lautete das deutliche Ergebnis - Thiersheim ließ gar keine Zweifel aufkommen. Die kleine Schwächephase mit der Niederlage gegen Konradsreuth in Runde 7 und dem Zittersieg gegen Kirchenlaibach 2 war vergessen. Dank Blindenchampion Ludwig Zier, Altmeister Wilhelm Schurig (zwei prominente Neuzugänge vor der Saison) und den beiden Tschechen Sibl und Vitek, aber auch dank anderer routinierter Spieler wie Tauchmann und Stingl setzte sich Thiersheim auf den Thron.
Bitter für Konradsreuth: Schon die Niederlage in Runde 1 gegen Aufsteiger Rehau vermasselte dem Team die Meisterschaft. Seitdem hechelten die Konradsreuther hinterher. Zwar besiegten sie als einziges Team den Meister Thiersheim, aber das Brettverhältnis reichte nicht zum Aufstieg. Da halfen auch der deutliche Sieg im Spitzenspiel gegen den Noch-Tabellenführer Kirchenlamitz und der Abschlusserfolg gegen Marktleuthen 2 nichts mehr. Immerhin, ein kleiner Trost: Wenn die Konradsreuther Mannschaft zusammenbleibt, ist sie in der kommenden Saison der große Aufstiegsfavorit.
Kirchenlamitz wurde durch zwei deftige Niederlagen aus allen Aufstiegsträumen gerissen. Rehau jubelt über den hart erkämpften Klassenerhalt. Für die Aufsteiger Helmbrechts 2 und Kirchenlaibach 2 hat's leider nicht gereicht. Während ihre ersten Mannschaften in der Bezirksliga I den Klassenerhalt schafften, müssen sich die ,,Zweiten'' vorerst aus dem Bezirksliga-Spielbetrieb verabschieden. Eine Chance gibt es noch für Marktleuthen 2: Gegen die drei Vizemeister kann man noch in der Relegation den Abstieg verhindern. In Marktleuthen wird auch die erste Mannschaft mitzittern, die gerade in die Landesliga Nord aufgestiegen ist. Denn bei einem Abstieg der zweiten Mannschaft wäre der Abstand zwischen den beiden Teams riesig - ganze drei Ligen würden zwischen ihnen liegen.

Bezirksliga 2 West
Der SV Neustadt steigt in die Bezirksliga I auf! Auch hier einen herzlichen Glückwunsch an den Meister der Bezirksliga II West! Das Finale war nichts für schwache Nerven. Nach einem kampflosen 8:0 lag Neustadt um einen Mannschaftspunkt, aber auch nach Brettpunkten klar vorne. Weidhausen und Kronach 2 warteten jedoch noch auf einen Ausrutscher in der letzten Runde - und der Neustadter Gegner waren die ungemütlichen Höchstadter, die die Saison noch ordentlich abschließen wollten. Bei einem Unentschieden hätte Neustadt den Titel gerade noch so ins Ziel gerettet. Bei einer Niederlage jedoch hätte die zweite Mannschaft des Kronacher SK die Nase vorn gehabt. Denkbar knapp ging es am letzten Spieltag in Höchstadt zu: Mit 4,5:3,5 siegt Neustadt und feierte damit die Meisterschaft. Die deutlichen Erfolge der Verfolger blieben ein Muster ohne Wert.
Die Abstiegsfrage war schon vor dem Finale geklärt: Burgkunstadt bezwang Sonneberg 2 und kam damit auf sieben Punkte. Höchstadt 2 blieb nach einem 2:6 gegen Burgstadt bei vier Punkten stehen. Damit war klar: Die Höchstadter Zweite muss ebenso wie die tapferen Steinwiesener und die Zweite aus Sonneberg in die A-Klasse absteigen. An den Beispielen Höchstadt und Sonneberg wurde klar, wie schwer es ist, zwei Mannschaften auf oberfränkischer Ebene zu behaupten (siehe Kirchenlaibach und Helmbrechts im Osten Oberfrankens).
Im kommenden Jahr wird die Bezirksliga II West spannender und härter: Die zwei Absteiger Michelau und Hallstadt machen das Ringen um die Meisterschaft noch interessanter als es ohnehin schon war.



FEBRUAR 2003

Ludwig Zier im Interview:
Ein Mann mit vielen Schachinteressen


Correspondence Chess News nennt sich eine monatlich erscheinende Internet-Zeitschrift, die sich mit dem Fernschach beschäftigt. In der Februar-Ausgabe findet sich ein Exklusiv-Interview mit dem Thiersheimer Spitzenspieler Ludwig Zier. Der Blindenmeister ist Internationaler Fernschach-Meister; er wird in diesem Gespräch umfassend vorgestellt und fast lückenlos porträtiert. Die Beiträge, die von Mitarbeitern aus aller Welt in englischer Sprache verfasst werden, finden monatlich 4000 bis 5000 Interessenten weltweit. Die Adresse:
http://ccn.correspondencechess.com/

Deutsche Übersetzung des Interviews aus Correspondence Chess News 84 (Ausgabedatum 9. Februar 2003), Seiten 12-20:

Von Volker Jeschonnek,
mit wesentlichen Beiträgen von Junior Tay und Santhosh Matthew Paul

Manchmal wird einem ein Projekt vorgeschlagen, dass man einfach tun muß. Als Santhosh Matthew Paul jemanden suchte, der ein Interview mit dem Internationalen Fernschachmeister Ludwig Zier in deutscher Sprache führen könnte, musste ich einfach "Ja" sagen. Zu dieser Zeit kannte ich Ludwig Zier zwar nicht, hatte aber schon viel von ihm gehört. In der Tat verdanke ich der Gemeinschaft der blinden Schachspielern eine Menge.
In den frühen achtziger Jahren, als ich noch in Deutschland lebte, traf ich Ewald Heck in unserem lokalen Schachklub, dem 1. SK Troisdorf. Ewald ist blind und damals tat er (und das ist wahrscheinlich immer noch so) eine Menge Schacharbeit. Er war Pressewart des Klubs. Er war außerdem Präsident und ein Hauptorganisator der Blindenschachgruppe Köln-Bonn. Ich verbrachte viele glückliche Stunden in diesem Klub und Ewald ermöglichte mir die Teilnahme an vielen "gemischten" Turnieren für sehende und blinde Schachspieler. Wenn mich die Erinnerung nicht trügt war es 1985 als ich Ewald zur Nordrhein-Westfälischen Blindenschachmeisterschaft in Valbert begleitete. Obwohl dies ein offizielles Qualifikations-Turnier zur deutschen Blindenmeisterschaft war, gestattete man mir großzügigerweise die Teilnahme. Natürlich konnte ich mich nicht qualifizieren und mein Ergebnis blieb inoffiziell, aber die Ergebnisse meiner Gegner gegen mich zählten. Während des Turniers wurde Ludwigs Name of erwähnt. Es gab da keine Frage - er war der Topfavorit für den deutschen Meistertitel.
Aber nun ist es Zeit, Ludwig Zier zu Worte kommen zu lassen.

Frage: Bitte erzählen Sie uns etwas über sich.
Antwort: Ich bin 47 Jahre alt, verheiratet, habe 2 Kinder (11 und 7 Jahre) und bin seit meinem 9. Lebensjahr blind. Ich wohne in Wunsiedel, Fichtelgebirge. Dies ist eine Kleinstadt mit ca. 10.000 Einwohnern und liegt in Nordbayern (ca. 50 km von Bayreuth entfernt). Beruflich war ich über 25 Jahre beim Landratsamt Wunsiedel beschäftigt. Seit dem letzten Jahr bin ich aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig geworden.

Frage: Sie sind eine Berühmtheit für blinde Schachspieler in Deutschland. Können Sie uns ein wenig dazu sagen?
Antwort: Schach habe ich im Alter von 14 Jahren begonnen. Von 1981 bis 1989 gewann ich in ununterbrochener Reihenfolge die Deutsche Blindenschachmeisterschaft, insgesamt viermal (jeweils ungeschlagen). 1982 belegte ich bei der Blinden-einzelweltmeisterschaft in Hastings (England) den 4. Platz. 1988 belegte ich mit der deutschen Mannschaft bei der Blindenschacholympiade in Ungarn am 1. Brett spielend den 3. Platz. Seit Ende 1990 spiele ich nicht mehr im Blindenschach (vor allem aus gesundheitlichen Gründen).

Frage: Sie haben ebenfalls in vielen "normalen" Nahschachturnieren teilgenommen ... Ziemlich erfolgreich, möchte ich anmerken.
Antwort: Ich habe 4-mal an den deutschen Meisterschaften der Sehenden teilgenommen (fast immer 4,5 aus 11). Ich war Zweiter beim Open in Limoges (Frankreich); Zweiter beim Open in Bergamo (Italien); 5.-7. Platz bei Eloturnier in München; 7. Platz bei Open Bad Ragaz (Schweiz). Teilnahme am OHRA-Großmeisterturnier B in Amsterdam und Teilnahme am IBM-Einladungsturnier in Wien (Sieger Karpow). Außerdem spielte ich insgesamt 5 Jahre in der 2. Bundesliga.

Frage: Und dann ist da noch das Fernschach...
Antwort: Fernschach spiele ich seit ca. 27 Jahren. Mit etwas mehr Aufmerksamkeit aber erst seit 1991. Ich konnte hier das EU/M/GT/368 mit 12 aus 14 gewinnen. Das MN/2 konnte ich mit 8 aus 10 gewinnen (1. IM-Norm). Im MN/75 erreichte ich 7 aus 10 (2. IM-Norm und Titel). Zur Zeit spiele ich das Semifinale zur 26. FSWM.
Ich bedauere die Entwicklung im Fernschach, da starke PC-Programme zu sehr Einfluss genommen haben. Ich selbst kann solche Programme nur in sehr begrenztem Umfang benutzen, da ein Blinder große Probleme mit der grafischen Benutzeroberfläche hat.

Frage: Sie sind ebenfalls aktiv im Schulschach.
Antwort: Seit letztem Jahr wird bei uns aufgrund meiner Initiative zum ersten Mal Schach an der Grundschule in Wunsiedel angeboten (Klassen 1 bis 4). Ich bin für den inhaltlichen Ablauf verantwortlich. Um die Aufsicht zu übernehmen und mir die Züge auf dem Demonstrationsbrett auszuführen, steht mir ein Lehrer zur Seite. Den Kurs besuchten 20 Kinder (6 bis 10 Jahre). In diesem Schuljahr werden ein Kurs für Fortgeschrittene und ein Kurs für Anfänger angeboten.
(Anmerkung von Junior Tay: Weitere Einzelheiten findet man im Artikel "Schulschach in Wunsiedel" bei http://www.schachbezirk-ofr.de/jugend/schulschach2002/wunsiedel/)
Auch in diesem Schuljahr werde ich einen Kurs in unserem Gymnasium abhalten, da hier das Schachleben völlig zum Erliegen gekommen ist.

Frage: Welche Partien halten Sie für Ihre besten im Nah- beziehungsweise Fernschach?
Antwort: Man kann sicher die eine oder andere Partie veröffentlichen, aber eine herausragende Partie gibt es eigentlich nicht. An eine Partie aus meiner Jugendzeit erinnere ich mich sehr gerne, da ich zu diesem Zeitjpunkt gerade erst 2 1/2 Jahre spielen konnte.
Nachfolgend die Partie:
Zier L. - Heidrich M. [C 80]
1972
[Anmerkungen von Ludwig Zier]
1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 a6 4. La4 Sf6 5. 0-0 Sxe4 6. d4 b5 7. Lb3 d5 8. dxe5 Le6 9. a4 Sa5 10. La2 c5 11. Sbd2 Sxd2 12. Lxd2 Sc6 13. Lg5 Dd7 14. axb5 Von hieran konnte ich die Partie bis zum Ende berechnen. 14... axb5 15. Lxd5 Txa1 16. Lxc6 Txd1 17. Txd1 f5 18. Lxd7+ Lxd7 19. e6 Lxe6 20. Td8+ Kf7 21. Se5+ Kg8 22. Le7 1-0

Frage: Gefällt Ihnen Fernschach besser als Nahschach? Oder ist es anders herum? Was ist der Grund?
Antwort: Prinzipiell gefällt mir Nahschach etwas besser. Um im Nahschach einigermaßen mitspielen zu können, muss man körperlich gesund sein. Nachdem dies bei mir nicht mehr der Fall ist, muss ich das Nahschach sehr stark reduzieren. Im Fernschach bedauere ich den zu starken Einfluss von Computern. Hier spiegelt sich das wahre Schachverständnis oft nicht richtig wieder.

Frage: Ist, beziehungsweise war, Ihr Eröffnungsrepetoire und Ihre Herangehensweise an eine Partie unterschiedlich in Nah- und Fernschach?
Antwort: Mein Eröffnungsrepertoire ist einigermaßen breit gefächert. In erster Linie sind die Eröffnungsvarianten im Fernschach auf das Nahschachrepertoire ausgerichtet.

Frage: Besitzen Sie viel Schachliteratur? Muß Ihrer Meinung nach ein Fernschachspieler gut belesen sein?
Antwort: Ich besitze weit über 500 Schachbücher. Die Bücher sind alle in Schwarzschrift verfasst und ich bin wegen meiner Blindheit auf ständige Vorlesekräfte angewiesen. Dies bringt natürlich mit sich, dass ich hier nur sehr begrenzt mit diesen Büchern arbeiten kann.
In der heutigen Zeit der Datenbanken muss ein Fernschachspieler nicht mehr so belesen sein, wie es vor ca. 15 Jahren noch der Fall war.

Frage: Was sind Ihre schachlichen Ziele?
Antwort: Im Nahschach werde ich nur noch mit meinen beiden Kindern ein Turnier pro Jahr in verschiedenen Kategorien spielen. Im Fernschach muss ich sehen, ob ich den blindheitsbedingten Nachteil der PC-Nutzung einigermaßen kompensieren kann. Falls dies nicht gelingt, habe ich in diesem Bereich keine besonderen Ziele. Mein Hauptaugenmerk werde ich vor allem auf das Trainieren von Kindern, vor allem in Schulen, legen.

Frage: Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit als Schachlehrer?
Antwort: Mit Kindern zu arbeiten, ist für mich schachlich gesehen zur Zeit das Wichtigste. Meine Kurse an der Grundschule und am Gymnasium besuchen zur Zeit über 60 Kinder.

Frage: Welchen Rat haben Sie für diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Schachspiel beschäftigen möchten?
Antwort: Sich möglichst in vielen Teilbereichen des Schachs zu informieren und sich "umzusehen". Unerlässlich ist das Studium alter Meister. Standardwerke wie Nimzowitsch "Mein System" oder Kmoch "Die Kunst der Bauernführung" oder klassische Turnierbücher sollten zur Ausbildung eines jeden Schachspielers gehören.

Frage: Welchen Rat haben Sie für jemanden, der den ICCF-IM Titel anstrebt? Antwort: Nicht mehr als ein Turnier gleichzeitig spielen und versuchen, möglichst selbständige Analysen zu erstellen.

Herr Zier, haben Sie vielen Dank für dieses Interview.

Auszug aus der Partien-Sektion
Die Partien-Sektion enthält acht kommentierte Partien und 23 Diagramme. Die Kommentare stammen von Ludwig Zier und / oder Fernschachmeister Junior Tay. Viele Partien haben ebenfalls kurze Einleitungen von Junior Tay. Die komplette Liste:
1) Zier - Dragun, Blinden-Weltmeisterschaft 1990 [Anmerkungen Junior Tay]
2) Prokofiew - Zier, ICCF Fernturnier 1991 [Anmerkungen Junior Tay]
3) Zier - Gebhardt, ICCF Fernturnier 1993 [Anmerkungen Ludwig Zier]
4) Fischer - Zier, RNLW 2000/01 [Anmerkungen Ludwig Zier]
5) Ardaman - Zier, Lugano 1987 [Anmerkungen Junior Tay]
6) Zier - Schuh, Deutscher Pokal 1987 [Anmerkungen Junior Tay]
7) Köpke - Zier, Bayrische Schnellschachmeisterschaften 2001 [Ludwig Zier/Junior Tay]
8) Stern - Zier, ICCF Fernturnier (Europameisterschaft) 1997 [Ludwig Zier/Junior Tay]

Partie 2, Prokofiew - Zier:
Junior Tay: Als nächstes sehen wir ein Lehrbuch-Beispiel für die Ausnutzung von weißfeldrigen Schwächen um den weißen König.

Prokofiew - Zier, L [A 29]
EU/M/GT/309, 1991
[Junior Tay]
1. c4 e5 2. Sc3 Sf6 3. Sf3 Sc6 4. g3 Lb4 5. Lg2 0-0 6. 0-0 e4 7. Sg5 Lxc3 8. dxc3 Te8 9. Dc2 De7 10. Sh3 In seinem Buch "The Gambit Guide to the English Opening 1... e5" schätzt Curt Hansen die Stellung als bequemen Ausgleich für Schwarz ab. 10... h6 11. Sf4 De5 12. Td1 Se7 13. Le3 c5 14. Sd5 In der Partie Karlsson, L - Sax, G, Hastings 1983, geschah 14.Dd2 b6 15. b4 La6 16. bxc5 bxc5 17. Dd6 mit Ausgleich. Die Partie endete Remis nach 42 Zügen. 14... Sexd5 15. cxd5 b6 16. c4 d6 17. Lf4 De7 18. Ld2 Sinnvoller ware 18. b4! gewesen wie in der Partie Adorjan, A - Hjartarson, J, Akureyri 1988. Dort folgte 18... cxb4 19. Da4 g5 20. Le3 Sg4 21. Ld4 mit einer unklaren Stellung. Die Partie endete Unentschieden nach 53 Zügen. 18... Lf5 19. e3?? Der Zug verursacht chronische weißfeldrige Schwächen auf dem Königsflügel. 19... Sh7 20. Lc3? 20. h4 verhindert ... Sg5 und erlaubt Weiß, den schwarzen Angriff für eine Weile aufzuhalten. Die Würfel sind allerdings gefallen. 20... Dd7 21. b3 Lg4 22. Lxe4 Dies erlaubt Schwarz die Entscheidung mit einer eleganten Wendung herbeizuführen... 22... Txe4! 23. Dxe4 Sg5 24. Dd3 Lf3 25. Kf1 Schwarz gewinnt auch nach 25. Lb2 Dh3 26. Df1 Dg4 27. h4 Le4 28. Dg2 Sf3+ 29. Kh1 Sxh4 30. Dh2 Sf3+ 31. Dg2 Dh5+. 25... Le4 26. Dd2 Dh3+ 27. Ke2 Dh5+ 28. Kf1 Dxh2 29. Db2 Lf3 0-1



JANUAR 2003

Denksport-Boom in Thiersheim:
,,Es ist keiner dabei, den das Schach kalt lässt''


Wenn der Vater mit dem Sohne: Beim Schachtraining von Karlheinz Stingl greift auch schon mal sein sechsjähriger Sohn Rene mit ein

(Artikel aus der Frankenpost)

Auf den ersten Blick könnte man Karlheinz Stingl für einen Basketballer oder Boxer halten. Doch der hochaufgeschossene Mann mit der kräftigen Statur ist Schachtrainer - ein erfolgreicher noch dazu: In nur zwei Jahren hat er beim Schachverein Thiersheim eine Nachwuchstruppe geformt, die im Landkreis ihresgleichen sucht.

Nur noch fünf von 32 Figuren sind auf dem Demo-Brett übrig geblieben: die Könige, je ein Turm und ein weißer Bauer. Ein kniffliges Turmendspiel hat Karlheinz Stingl aufgebaut. ,,Was muss das Ziel sein?'', fragt er die Kinder. Marek weiß es: ,,Der König muss das Einzugsfeld des Bauern beherrschen.'' Die Frage nach der Aufgabe des Turms beantwortet Christian: ,,Der muss die sechste Reihe unter Kontrolle haben.'' Stingl gibt sich damit noch nicht zufrieden: ,,Warum die sechste Reihe? Warum nicht die fünfte oder vierte?'' Selina erwidert, wie aus der Pistole geschossen: ,,Der König darf nicht vor den Bauern auf die sechste Reihe kommen.'' Plötzlich rennt Rene, der sechsjährige Sohn des Trainers, nach vorne, spielt ein paar Züge gegen seinen Vater. ,,Wenn der Bauer schlägt, dann ist es Patt'', erklärt der Knirps fachmännisch.
Kurzweilig und interessant geht es zu beim Training in Thiersheim. Bis zu 26 Mädchen und Buben zwischen sechs und zwölf Jahren kommen zwei Mal pro Woche zusammen in Stingls Talentschmiede. Der 42-jährige Wunsiedler, den alle nur Karlo nennen, erläutert, wie er beim Training vorgeht: ,,Ich versuche, den Kindern wichtige Grundsätze zu vermitteln. Wenn sie sich daran halten, können sie auch mich schlagen.'' Im Turmendspiel etwa: Ein paar goldene Regeln führen zum Erfolg - egal, wer nun auf der anderen Seite sitzt.
Nach zwei Jahren kontinuierlichem, konsequentem Training haben Stingls Schützlinge erste beachtliche Erfolge geholt. Erst vor kurzem, bei der oberfränkischen Schnellschach-Meisterschaft der Jugend, schlug sein Vaterherz höher: Rene Stingl, der jüngste Teilnehmer, holte sich den Gesamtsieg der Altersklassen U18, U10 und U12. ,,Mit zwei Jahren hat Rene schon Schach gelernt'', erklärt Karlheinz Stingl, der Wert darauf legt, dass dabei stets das Spielerische im Vordergrund steht und nicht der väterliche Ehrgeiz. Im Wunsiedler Kindergarten hätten Renes erste Erfolge für Aufsehen gesorgt - plötzlich war bei den Eltern der Kleinen die Nachfrage nach Schach riesig.
Ein anderes Talent ist Christian Küffner, gerade zehn Jahre jung. ,,Den hab' ich in der Grundschule entdeckt'', sagt Karlo Stingl und verweist auf die hervorragende Nachwuchsarbeit von Blindenmeister Ludwig Zier - neuerdings auch ein Thiersheimer - in der Grundschule Wunsiedel. Der Trainer schwärmt: ,,Christian hat das gewisse Etwas, das Glänzen in den Augen.'' Diese Begeisterung brächten in seiner Schachgruppe mehrere Kinder mit - auch und vor allem Mädchen. Vereinsmeisterin Kate Laustsen liefere sich heiße Duelle mit Verena Zier, Selina Reithmeier spiele ebenfalls sehr stark. Bei den Jungs nähmen sich Rene, Christian und Oliver Zier oft gegenseitig die Punkte weg. ,,Die stacheln sich untereinander an, das ist fantastisch.''
Für Stingl, der mit den Kindern zu zahlreichen Turnieren fährt, ist das Mannschaftsgefühl wichtig. Mitfreuen, aber auch trösten - das ist seine Aufgabe, wenn an den Brettern knappe Entscheidungen fallen. ,,Die Kinder sind halt mit Herz und Seele dabei'', freut er sich. ,,Da gibt es Tränen aus Enttäuschung genauso wie aus Freude.'' Diese Gefühlsausbrüche beim scheinbar ruhigen Denksport gefallen Stingl, der selbst ein emotionaler Spieler ist: ,,Es ist keiner dabei, den das alles kalt lässt.''
In dieser Saison sorgen die Kids aus Thiersheim für ein Novum: Eine Vierer-Mannschaft tritt in der B-Klasse der Erwachsenen an. In der ersten Runde reichte es gegen Witzlasreuth noch nicht ganz zu einem Punktgewinn, in Runde zwei gewannen dann die Kleinen gegen die ,,Großen'' der Spielgemeinschaft aus Röslau und Schönwald mit 3,5:0,5. Der Coach weiß, dass die Partien gegen die Erwachsenen sehr beliebt sind: ,,Alle wollen spielen. Sie kämpfen um die Plätze in der Mannschaft.''
Dass die Kinder zurzeit in der Erwachsenen-Liga mitspielen müssen, hat freilich einen Grund: Im Schachkreis Marktredwitz/Stiftland, der den Landkreis Wunsiedel und Vereine der nördlichen Oberpfalz umfasst, gibt es keine Jugendliga. Doch auch das soll sich ändern: Karlheinz Stingl als Kreisjugendleiter will die positive Ausstrahlung, den Denksport-Boom von Thiersheim auf den ganzen Kreis übertragen, der im Nachwuchsbereich einige Jahre Dornröschenschlaf hinter sich hat. ,,In Sachen Jugend waren wir lange ein weißer Fleck'', räumt Stingl ein, der selbst seit 20 Jahren Schach spielt und lebt. ,,Doch jetzt kommen wir ins Gerede.'' Positiv, versteht sich.
Karlheinz Stingl will seine eigene Schachbegeisterung auf Kinder und Eltern übertragen. Die Thiersheimer Gruppe sei zwar kaum mehr aufnahmefähig, aber er will auch anderen Vereinen junge, interessierte Spieler zukommen lassen. ,,Es wäre doch schade drum, wenn uns junge Talente verloren gingen.''
Informationen zum Nachwuchs-Schachtraining in Thiersheim und im Fichtelgebirge gibt es bei Karlheinz Stingl, Telefon 09232/603499, e-Mail k.stingl@t-online.de .



DEZEMBER 2002

Rückblick auf 2002:
Einer war sogar bei der Weltmeisterschaft

Vollständig kann er natürlich nicht sein, unser Jahresrückblick für den Schachbezirk Oberfranken. Jeder hat sicher seine ganz persönlichen ,,Highlights'' in Turnieren oder im Verein gehabt. Wir wollen einige herausragende Momente aus 2002 herausgreifen - nach dem Motto ,,Wisst ihr noch...?''

JANUAR

Jahresauftakt: An den ersten Tagen des neuen Jahres trifft sich die Jugend in Schney. 61 Teilnehmer ermitteln die Meister in den Altersklassen. Andreas Wetscherek (TS Bayreuth) wird zum sechsten Mal Champion.

FEBRUAR
International: Die ,,Pulvermühle'' wird zum Treffpunkt für die Nachwuchselite aus Deutschland und Holland. Artur Jussupow, ,,Hausherr'' Michael Bezold und andere trainieren die Großmeister von morgen. Cup-Coup: Überraschend gewinnt Pegnitz-Creußen den Verbandspokal. Favorit Hof hat im Finale mit 1,5:2,5 das Nachsehen.

MÄRZ

Ende einer Ära: Ludwig Schirner eröffnet zum letzten Mal in seiner Eigenschaft als Präsident den oberfränkischen Kongress. Bei der Hauptversammlung der Vereine wird der ,,Gute Ludwig'' nach 50 Jahre Ehrenamt würdig verabschiedet.

Entscheidung: Die Würfel sind gefallen in den Bezirksligen: TS Bayreuth wird Oberfranken-Meister, SK Helmbrechts und SG Sonneberg sind in den Bezirksligen II vorne.
Jubel: Das Graf-Münster-Gymnasium Bayreuth wird bayerischer Schulschachmeister.
Wundervoll: In einem spannenden Finish holt Horst Wunder (FC Nordhalben) den oberfränkischen Meistertitel. Am Ende der Schachtage in Schney wird Johannes Rüttinger (TSV Bindlach) Blitzmeister.
Wechsel: Ein Kongress des Abschieds und des Neuanfangs. Präsident Ludwig Schirner wird nach 50 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit mit stehenden Ovationen verabschiedet, Hans Blinzler ist sein Nachfolger. Etliche neue Gesichter werden in den erweiterten Vorstand gewählt.

APRIL
Souverän: Die zweite Mannschaft des TSV Bindlach schafft den erneuten Aufstieg - von der Regional- in die Landesliga. Heimsieg: Neun Teams kämpfen um die Schnellschach-Krone. Der neue Sieger ist der alte: Die Ausrichter aus Kronach verteidigen ihren Titel erfolgreich.

MAI
Siegmund-Sieg: Die Schnellschach-Meisterschaft in Kulmbach wird zu einer spannenden Angelegenheit. Siegmund Braun (Coburg) hat die Nase vorn.
Jungmeister: Andreas Wetscherek (Bayreuth) holt den Einzelpokal. Im Endspiel setzt er sich gegen Arkady Urytzkyy (Hof) durch.

JUNI
Seniorenarbeit: Der ,,gute Ludwig'' als Cheforganisator lädt ein - und viele kommen: Auf Schloss Schney findet traditionell die bayerische Seniorenmeisterschaft statt.
Hitzekämpfe: Bei heißen Temperaturen kommen die Blitz-Mannschaften in Hallstadt tüchtig ins Schwitzen. Der Schachclub Bamberg behält kühlen Kopf und holt den Titel.

JULI

Denksport-Boom: Offene Jugendturniere sind ein Renner des Jahres. Wie hier in Pegnitz zieht Schach über 200 Teilnehmer in seinen Bann.

Attraktion: 210 Kids kommen zum Pegnitz-Open. Großmeister Michael Bezold spielt im Showkampf gegen die Besten.

AUGUST
Meisterehren: Axel Heinz (TSV Bindlach) ist dabei, als die bayerische Jugend-Mannschaft in Essen deutscher Meister wird.
Open-Air: In Hof wird die Fußgängerzone zum Schach-Schauplatz. Großmeister Pähtz spielt beim ,,Tag des Schachs'' gegen 37 Kontrahenten unter freiem Himmel.

SEPTEMBER
Pläne: In den Kreisversammlungen werden Vorschläge zur Strukturreform des Bezirks diskutiert. Im kommenden Jahr wird's vermutlich Veränderungen geben.

OKTOBER
Anziehungspunkt: Auch das Bamberg-Open lockt über 200 Jugendliche an.

NOVEMBER
Großereignis: Axel Heinz hält bei der Jugend-WM auf Kreta hervorragend mit. 50 Prozent der Punkte holt er gegen Kids aus aller Herren Länder.

DEZEMBER
Schul-Event: 56 Teams, über 220 Schüler - die oberfränkische Schulschach-Meisterschaft in Coburg wird zu einer gelungenen Massenveranstaltung.
Schnellschach: In Kulmbach ermitteln die Jugendlichen ihre Schnellschach-Meister. Michael Bierhahn heißt der überragende Mann in der U18.
Meisterinnen: Die Mädchen-Meisterschaft zieht immerhin elf Teilnehmerinnen an. Beim Turnier in Kulmbach macht Julia Backer (Steinwiesen) auf sich aufmerksam: Die U12-Spielerin landet vor allen anderen.




NOVEMBER 2002

Hans Neuberg im Interview:
,,Zahlen haben mich schon immer interessiert''


Hans-Gerhard Neuberg ist der Mann für die Zahlen, Daten und Fakten im Bezirksverband Oberfranken: Als Referent für Wertungszahlen und Mitgliedererfassung kümmert sich der 45-jährige Kronacher um die statistische Seite des Schachsports. Im Interview mit Jan Fischer erklärt er, warum ihm diese Aufgabe Spaß macht. Er warnt gleichzeitig davor, zu sehr auf die DWZ zu schauen.

Du ermittelst die DWZ für Oberfranken. Auf den ersten Blick sind die Wertungszahlen eine eher ,,trockene'' Angelegenheit. Was ist für dich der Reiz daran?
Hans Neuberg: Zahlen haben mich schon als Schüler interessiert - mein Hauptfach an der Uni war dann ja auch die Mathematik - und es ist immer wieder erstaunlich, welche Aussagen durch einige Formeln und Berechnungen getroffen werden können. Außerdem schätze ich mich selbst als Perfektionist ein und da bin ich mit der Berechnung der DWZ wohl genau an der richtigen Stelle.

Nach deiner Erfahrung: Wie wichtig nehmen Schachspieler ihre DWZ? Nehmen sie manche vielleicht zu wichtig?
Neuberg: Leider sehen insbesondere Jugendliche viel zu sehr auf die aktuelle Zahl. Bei den DWZ ist nämlich die langjährige Entwicklung einer DWZ viel aussagekräftiger. Durch die punktuelle Betrachtung kommt es nicht selten vor, dass man gegen Gegner mit einer hohen DWZ verkrampft und ängstlich agiert und in der Konsequenz dann natürlich verliert. Oder man willigt trotz eigener Vorteile in ein Remis ein, weil man befürchtet, der stärkere Gegner könne diese wieder aufholen. Auf der anderen Seite wurden auch schon etliche Partien verloren, weil man den Gegner mit niedriger DWZ nicht "ernst" genug nahm.

Achtest du selbst mehr auf deine eigene DWZ-Entwicklung, seit du das Amt übernommen hast? Überlegt man sich: ,,Wenn ich jetzt das Remis annehme, verliere ich so-und-so-viele Punkte...''?
Neuberg: Eigentlich nicht. Ich spiele Schach, weil es mir Spaß macht und ich dabei entspannen kann und den wöchentlichen Stress vergesse. Ab und zu habe ich jedoch schon mal geschaut, wie es gewesen wäre, wenn ich die eine an und für sich gewonnene Partie nicht weggeschmissen hätte. Und meistens spiele ich ohnehin in der Mannschaft, wo man ja schließlich oft aus Gründen der Mannschaftsraison anders entscheiden muss als in einem Einzelturnier.

Man könnte meinen: Mit dem Computer ist die Berechnung der Wertungszahlen und die Mitgliederverwaltung kein allzu großes Problem. Wie zeitaufwändig ist der Job wirklich?
Neuberg: Der Computer und vor allem die neuen Programme haben die Aufgabe wirklich erleichtert, denn in meinen Anfängen musste alles mit dem Taschenrechner berechnet werden und gegebenenfalls noch etliche Iterationen hinterher. Doch leider bleibt es ja nicht beim bloßen Eingeben der Daten. Oft machen es einem die anderen auch schwer, dadurch, dass zum Beispiel unvollständige Turnierunterlagen eingesandt werden oder Spieler beteiligt waren, die bisher nicht gemeldet waren. Die Ermittlung der fehlenden Daten kostet da manchmal mehr Zeit, als die eigentliche Auswertung. Oder man muss manchen Turnierergebnisse hinterherlaufen, was auch schon passierte. Auch die Erstellung des jährlichen DWZ-Spiegels kostet ziemlich viel Zeit. Gerade habe ich den neuesten für das Jahr 2002 erstellt, nachdem die DWZ bis Ende Oktober korrigiert wurden. Dies hat mich zwei Tage gekostet - und noch ist kein Exemplar verschickt.

Wie beurteilst Du die momentane Mitgliederentwicklung in Oberfranken?
Neuberg: Nach Jahren der Stagnation beziehungsweise des Rücklaufs, werden zur Zeit in vielen Vereinen verstärkt wieder Jugendliche angemeldet, wie man auch an der Beteiligung am letzten Jugend-Open sieht. Ich glaube, unsere Warnungen waren wirkungsvoll und wir können etwas zuversichtlicher in die Zukunft schauen.

Könntest Du Dir vorstellen, in Zukunft auch andere Ämter im Bezirksverband zu übernehmen? Wenn ja, welche?
Neuberg: Wie schon gesagt, fühle ich mich in meinen Ämtern genau an der richtigen Stelle. Ein anderes Amt im Bezirksvorstand möchte ich gar nicht anstreben. Da ich zur Zeit noch ziemlich viele andere Verpflichtungen habe, würde ich lieber eines abgeben.
***
ZUR PERSON: HANS NEUBERG
--Beruf
Lehrer
--Familie
seit 25 Jahren verheiratet, einen Sohn, der demnächst das Studium beendet, und eine Tochter, die fürs Abitur büffelt
--Hobbys (außer Schach)
Tanzen (Gesellschaftstanz, Step), Reisen, Volleyball und Computer
--Erfolge beim Schach
Da ich jedoch diesbezüglich nicht sehr ehrgeizig bin - ich spiele Schach, weil es mir Spaß macht - habe ich diese nicht aufgeschrieben. Zu erwähnen sind einige Vereinstitel und dann war ich für langer Zeit mal mit der Mannschaft des Kronacher SK oberfränkischer Jugendmeister.
--Stationen als Schachfunktionär
Schon früh trat ich im Verein in die Fußstapfen meines Vaters und wurde 1972 Jugend- und später Spielleiter. Heute bin ich im Kronacher SK 2. Vorsitzender. Im Kreisverband begann ich im Jahre 1985 als DV-Referent (INGO-Bearbeiter hieß das seinerzeit) - damals musste die ganze Rechenarbeit noch "mit der Hand" gemacht werden und ich schrieb mir zur Erleichterung auf einem C 64 ein kleines Basic-Programm. Ich übernahm dieses Amt im Jahre 1989 auch im BV Oberfranken. Seit einigen Jahren habe ich in Personalunion auch die Mitgliederverwaltung inne.




OKTOBER 2002

Interview mit Klaus Steffan
,,Ich bin ein Verfechter von Perfektion''


Viele surfen auf seine Schach-Seiten im Internet (www.steffanklaus.de/schach) , viele schätzen seine Erfahrung als Turnierorganisator - aber den Menschen dahinter kennen nur wenige. Klaus Steffan - ein Mann, der sich in vielfältiger Weise für Schach engagiert. Seit April gehört er auch zum erweiterten Vorstand des Bezirksverbands, ist stellvertretender Jugendleiter und Schulschachleiter. Im Interview plaudert der 39-Jährige aus dem Nähkästchen.

Aus deiner Erfahrung: Gibt es ein Erfolgsrezept für die Jugendarbeit im Schach?
Klaus Steffan: Grundsätzlich gibt es für Vereine keine Ausrede, "es gäbe keine Jugendlichen, die man für Schach begeistern kann"... Wenn es fähige Leute gibt, die sich kontinuierlich um die Kiddis kümmern, und systematisch eine Traininggruppe aufbauen, ist im nu der Kreis der interessierten Kinder steigend. Die Kinder merken, ob es nur eine Art Beschäftigung sein soll, oder ob leistungssteigerndes Training abgeht. Auch Werbung ist kaum nötig, denn die beste Werbung für eine Schachgruppe ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich stelle in den letzten Monaten auch fest, dass mit entsprechenden Leuten (z. B. in Thiersheim Herr Stingl, in Wunsiedel Herr Zier, oder in Bayreuth Herr Dr. Lange) auch in Oberfranken was möglich ist, wenn in Vereinen die Jugendarbeit höchste Priorität genießt. Was mir auch wichtig erscheint: Wenn es Jugendliche gibt in den Vereinen, sollte man Sie auf Turniere schicken. Jedes Training, den Nachwuchs nur gegeneinander spielen zu lassen, ist auf Dauer für die Kids zu langweilig. Es muss auch außerhalb des Trainings was los sein. Schachfreizeiten mit Fußball oder Ausflüge verbinden auf Dauer.
Leider musste ich durch wegen beruflicher Tätigkeit meine 20-köpfige Jugendgruppe in Pegnitz abgeben.

Du siehst dich ja eher als fleißiger Arbeiter im Hintergrund und opferst viele Stunden deiner Freizeit für Schach. Meinst du, dass diese Arbeit genauso anerkannt wird wie die jener Funktionäre, die öfter im Rampenlicht stehen?
Steffan: Ich habe damit kein Problem, möchte lieber im Hintergrund arbeiten, mich einbringen und helfen, dass Schachevents besser werden. Eins kann ich eh nicht leiden, wenn die so genannten "Turnier-Nörgler" ständig alles besser wissen, aber selber null Beitrag dazu leisten. Schach lebt von vielen Ehrenamtlichen Funktionären, die sicher nicht alles richtig machen. Aber mithelfen bringt für alle doch mehr als sich gegenseitig zu reiben.

Du hast dir als Turnierorganisator und Webmaster bei großen Veranstaltungen (Pyramiden-Cup, Jugend-Open Pegnitz etc.) einen Namen gemacht. Welche Veranstaltung war für dich die schönste bisher?
Steffan: Ich möchte da nichts klassifizieren, alle Turniere, die rundum funktionieren, sind schön. Man grübelt ständig, welche Dinge man verbessern kann. Ich bin eigentlich nie zufrieden. Das letzte Pegnitz-Open war wohl auch durch den Schachkampf von GM Michael Bezold eine gelungene Veranstaltung.

Was ist deine nächste große Herausforderung?
Steffan: Ja, es gibt die verschiedenen Oberfränkischen Jugendmeisterschaften, an denen ich mitwirke. Das Highlight der kommenden Saison ist das Bindlach-Open (ehemals als Pegnitz-Open bekannt) am 12. Juli 2003 (letztes Rapidturnier der BSJ) da laufen die Vorbereitungen schon. Wir wollen dieses Turnier auch als Ost-West-verbindendes Turnier aufbauen, schon bedingt durch die Nähe an die neuen Bundesländer. Die Bindlacher Bärenhalle ist dafür der ideale Standort.
Auch interessant ist ein Angebot der DSJ (Deutschen Schachjugend), zu Pfingsten 2003 den Internetauftritt der nächsten Deutschen Jugendmeisterschaften in Willingen zu machen. Aber das ist noch in der Schwebe.

Was gehört für dich zu einem Turnier, damit es von vorn bis hinten perfekt ist?
Steffan: Ja, ein Turnier ist gut, wenn erkennbar ist, dass der Veranstalter dem Turnier eine besondere Note gibt. Wenn die Spieler im Mittelpunkt der Überlegungen stehen, wenn neben dem Einmaleins der Turnierorganisation auch die Kleinigkeiten beachtet werden. Ich bin da ein Verfechter von Perfektion. Leider ist nie alles perfekt, und daran muss man ständig feilen, oft sind es die so genannten Kleinigkeiten, die bei diversen Turnieren nicht klappen. Wenn ich auf Turniere fahre, studiere ich den Aufbau, die Kulisse, das Spielmaterial, und das Org-Team nebst Schiris / Gruppenleiter. Ich picke mir Dinge raus, die ich für meine Arbeit gebrauchen kann. Es ist ein ständiger Kampf auch immer mit den finanziellen Möglichkeiten, die man hat... da muss es eine Balance geben, um allem gerecht zu werden.

Du hast, so weit ich weiß, gute Kontakte zu einigen Großmeistern. Was ist dein Eindruck: Was für ein Typ muss man sein, um GM zu werden?
Steffan: Ja, in den letzten Jahren durfte ich bei verschiedenen Events dabei sein, wo ich viele GMs (Großmeister) kennen gelernt habe. Ich habe da auch weniger auf die Spielstärke geachtet, die ist eh vorhanden. Für mich war der Mensch interessant. Durch die Vielzahl der anwesenden GMs habe ich Arroganz nie feststellen können. Die Lockerheit und die Freundschaft unter den Stars hat mich beeindruckt. Sicher sind einige nicht immer ganz einfach, aber ich konnte Starallüren kaum feststellen.

Was kann der ,,normale'' Schachspieler von den Großmeistern lernen?
Steffan: Sich auf den Punkt konzentrieren, dass ich die wichtigste Eigenschaft, oder auch unter Druck cool bleiben, gerade bei Zeitnot...! Was mich auch immer wieder beeindruckt, mit welcher Sachlichkeit Fehleranalysen nach Partien passieren.
***
ZUR PERSON: KLAUS STEFFAN
Beruf
FA für Gießtechnik, Betreuer Lagerhaltung / Logistik

Familie
ledig

Hobbys außer Schach
PC-Systeme und Anwendungen,
Fußball / Hobbymannschaft,
Präsident eines FC Bayern - Fanclubs nebst Dauerkarte beim FC Bayern München
welthistorische Geschichte

Erfolge im Schach
1974 Schulschachmeister U-10 in Aue/Erzgebirge
1974 Eintritt in die Sektion Schach der BSG Wismut Aue
1979 Bezirksmeisterschaft 17. Platz (mit Rösch und Womacka)
1989 Vereins u. Blitzmeister SC Pottenstein
1991 Sieger Vereinsmeisterschaft Gr. 2 SC Pegnitz
1992 - 2002 Plätze 1 - 3 im Blitz und Normalschach im Verein

Stationen als Schachfunktionär
1978 Mitorganisieren der Bezirksmeisterschaft "Karl-Marx-Stadt", heute Chemnitz
1978 - 1981 Jugendleiter BSG Wismut Aue (heutige ESV Nickelhütte Aue)
1980 Übungsleiter / Schiedsrichter auf Bezirksebene
1989 Mitglied bei Schachclub Pottenstein
1990 Eintritt in den Schachclub Pegnitz
1995 - 2000 Jugendleiter SC Pegnitz
1999- 2000 Spielleiter SC Pegnitz
1996 Homepagebetreuer für den SC Pegnitz und Schachkreis, jetzt "Steffans Schachseiten"
1998 Turnierleiter verschiedener Turniere im Kreis und Oberfränkisch
1997 - 2000 Kreisjugendleiter
2000 Homepagebetreuer TSV Bindlach & TS Bayreuth
1998 - 2002 Organisator von 5 Pegnitz-Open-Turnieren
2002 2. Jugendleiter Oberfrankens
2002 Homepagebetreuer "Oberfränkische Jugendseiten"
2000 - 2002 Mitorganisator von verschiedenen überregionalen Turnieren, "Pyramiden-Franken-Cup", Ländervergleichen usw.




SEPTEMBER 2002

Der neue Seniorenwart Helmut Müller:
,,Schach erhält Spannkraft und Frische''


Im erweiterten oberfränkischen Vorstand gibt es ein neues Amt: den Seniorenwart. Helmut Müller (67) aus Coburg kümmert sich fortan um die Belange der älteren Schachspieler, deren Zahl immer größer wird. Was er für die über 60-Jährigen plant, wo er die Schwerpunkte seiner Arbeit sieht - im Interview mit Jan Fischer verrät er es.

Beim ,,Tag des Schachs'' in Hof gab es einen Vergleichskampf ,,Jung gegen Alt''. Was meinst du: War es eher eine Ausnahme, dass junge und ältere Spieler gemeinsam am Brett sitzen? Oder spielen Jung und Alt gern und oft gegeneinander?
Helmut Müller: Der Vergleichskampf Jung gegen Alt war sicherlich ein sehr interessanter Versuch, den ich als hervorragend gelungen bezeichnen möchte. Ich glaube, dass ältere Schachspieler normalerweise lieber mit anderen Älteren spielen wollen. Bei den Jungen dürfte es wahrscheinlich ähnlich sein. Trotzdem sollten wir gelegentlich solche Aktionen durchführen. Es war sicher für alle Schachfreunde, egal ob alt oder jung, ein ganz besonderes Ereignis.
Was können - bezogen auf Schach - Junge von den Älteren lernen? Und was können Ältere von den Jungen lernen?
Müller: Voneinander lernen - kann man natürlich immer und bei jeder schachlichen Begegnung. Man sollte sich nur auch ein bisschen öffnen und immer wieder auf den Gegner - oder besser gesagt ,,Partner'' - zugehen und viel miteinander reden und diskutieren.
Spielen Senioren anders Schach als die jüngere Generation?
Müller: Ob Senioren anders Schach spielen als die jüngere Generation, wage ich nicht zu beurteilen. Das dürfte individuell sehr unterschiedlich sein. Es gibt Spieler, die gehen ganz locker und entspannt an eine Partie heran, aber natürlich auch andere, die eher angespannt und hochkonzentriert agieren. Vielleicht auch beides, bei unterschiedlichen Gelegenheiten. Wenn bei harten Partien eine gute Kondition gefragt ist, haben natürlich die Jüngeren meist Vorteile.
Dein Amt ist erst im Frühjahr neu geschaffen worden, auf Initiative von Ehrenpräsident Ludwig Schirner. Direkt gefragt: Wozu braucht Oberfranken einen Seniorenwart?
Müller: Die Frage, ob Oberfranken einen Referenten für Seniorenschach braucht, hat unser früherer Präsident Ludwig Schirner entschieden. Auf seinen Vorschlag hin hat der oberfränkische Kongress so beschlossen. - Ich bin nun ausersehen, das neu geschaffene Amt mit Leben zu erfüllen. Die Zahl der Schachspieler im Seniorenalter ist recht groß. Das sieht man allein daran, dass immer mehr offene Turniere speziell für Senioren veranstaltet und auch angenommen werden. Unsere offene Meisterschaft von Bayern, die um Pfingsten herum auf Schloss Schney stattfindet, erfreut sich seit Jahren hoher Teilnehmerzahlen. In diesem Jahr kamen von den 75 Spielern allein 21 aus Oberfranken. Ihr Punktbester erhält den Titel ,,Oberfränkischer Seniorenmeister''. Die Betreuung und auch die Auszeichnung unserer oberfränkischen Teilnehmer an der offenen Bayerischen Seniorenmeisterschaft und die Mitwirkung bei der Durchführung der Turniere wird eine meiner Hauptaufgaben sein. Es soll versucht werden, dieses für unsere oberfränkischen Seniorenspieler so wichtige und attraktive Turnier auch nach dem Rückzug unseres ,,guten Ludwigs'' in unserem Raum zu halten und weiterhin auf Schloss Schney zu veranstalten. Natürlich möchte ich dabei wie bisher auch weiterhin selber mitspielen.
Wofür willst du dich im erweiterten oberfränkischen Vorstand besonders einsetzen?
Müller: Den Schwerpunkt meines Einsatzes im Oberfränkischen Bezirksverband habe ich ja schon genannt. Darüber hinaus möchte ich bei allen anstehenden Fragen und Problemen meine langjährigen Erfahrungen sowohl als Spieler wie auch als Funktionär einbringen, die Tätigkeit der jüngeren Kollegen mit positiver Neugier verfolgen und ihnen - wenn gewünscht - mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Ich hab' das schon öfter gehört: ,,Wenn man mit 60 immer noch Schach spielt, kommt man nicht mehr davon los.'' Kannst du das bestätigen? Ist Schach ein Virus?
Müller: Diesen Satz kann ich nur bestätigen. Warum sollte man auch? So lange es in fortgeschrittenem Alter irgend möglich ist und es die Gesundheit erlaubt, sollte der ältere Schachfreund seinem geliebten Sport auf den 64 Feldern die Treue halten und, so oft es irgend geht, Schach spielen. Das erhält die Spannkraft und Frische - jedenfalls hoffe ich das.
***
ZUR PERSON: HELMUT MÜLLER
--Beruf
Bauingenieur und Wirtschaftsingenieur im Ruhestand
--Familie
Seit 1986 mit Partnerin Uschi liiert. Ansonsten zwei erwachsene Kinder und zwei Enkelkinder
--Hobbys (außer Schach)
Tennis und Wandern
--Erfolge beim Schach
Müller dazu: ,,Zwei Mal Meister von Oberfranken, 1954 als Jugendlicher (vor Helmut Pfleger mit 11, Kestler und Ernst-Robert Kadesreuther) sowie 1969 im Senioren-Meisterturnier (damals nannte man alle über 20 Senioren), dann 1972 zum ,100-jährigen' meines Vereins als verantwortlicher Kongress-Organisator im Meisterturnier mitgespielt und Zweiter geworden hinter Bernd Feustel. 1959 und 1978 1. Sieger im oberfränkischen Hauptturnier, ferner zwei Mal Finalist im Silbernen-Turm-Pokal von Oberfranken, mehrfach Clubmeister und Pokalsieger im Coburger Schachverein und auf Kreisebene. Jahrzehntelang regelmäßige Teilnahme an Mannschaftskämpfen. In letzter Zeit (seit Beginn des Ruhestandes) auch jedes Jahr Teilnahme an einigen überregionalen Turnieren, zuletzt Alpenpokal und Bayerische sowie Sächsische offene Seniorenmeisterschaften.
--Stationen als Schachfunktionär
Müller dazu: 1. Vorsitzender des Coburger Schachvereins von 1872 e.V. in den 70er Jahren. Während dieser Zeit verantwortliche Durchführung eines oberfränkischen (1972) und eines Bayerischen Kongresses (1975) jeweils mit mehreren Turnieren und des 100. Vereinsjubiläums.
Lange Jahre 2. Vorsitzender des Schachkreises Coburg/Neustadt und Mitglied des erweiterten Vorstandes des Schachbezirks Oberfranken. Diese beiden Funktionen übe ich heute noch aus, die letztere jetzt im neu geschaffenen Amt des Referenten für Seniorenschach.




AUGUST 2002

Karl-Heinz Hein im Interview:
,,Ich war noch nie ein grundsätzlicher Ja-Sager''


Geld hat man oder hat man nicht - aber über Geld spricht man nicht. Deshalb war es eine knifflige Aufgabe, mit dem neuen Schatzmeister des Bezirksverbands Oberfranken (BVO), Karl-Heinz Hein, ein Interview zu führen. Heraus kamen jedoch viele offene, ehrliche Antworten - und dann doch einige Aussagen des 61-Jährigen zu finanziellen Angelegenheiten.

Seit April bist du Schatzmeister des BVO. Würdest du mir zustimmen, dass dies das schwerste Amt im gesamten erweiterten Vorstand ist?
Karl-Heinz Hein: Der Schatzmeister des BVO ist sicher ein wichtiges Amt, doch nicht das schwierigste. Die Aufgabenstellung ist klar und deutlich die Überwachung und Durchführung des Zahlungsverkehrs, nicht zuletzt aber auch die ständige Zusammenarbeit mit der Vorstandschaft in Form der Information über finanziell Machbares und Nicht-Machbares.
Was ist dein vorrangiges Ziel als Schatzmeister?
Hein: Vorrangiges Ziel eines jeden Schatzmeisters muss sein, das ihm anvertraute Geld gewissenhaft zu verwalten und im Einklang mit der Vorstandschaft wirtschaftlich zu arbeiten. Nachdem vom BSB keine Zuschüsse mehr zu erwarten sind, wird diese Aufgabe nicht gerade erleichtert. Deshalb muss ich einen strengen Maßstab im Ausgabenbereich anlegen, ohne aber einen der wichtigsten Bereiche, den Jugend- und Schulschachbereich, außer Acht zu lassen. Fazit: Schach-"Meilen" können wir uns nicht (mehr) leisten.
Wann stand für dich fest, dass du für diesen Posten kandidieren willst?
Hein: Für einen Posten in der Vorstandschaft wollte ich aufgrund meines Alters eigentlich nicht mehr kandidieren. Ich wurde allerdings bereits seit Jahren von unserem "guten Ludwig" bearbeitet, mich wieder dem Schach zur Verfügung zu stellen. Nach reiflicher Überlegung und der Gewissheit über die Zusammensetzung der neuen "Mannschaft" habe ich mich dann im Februar 2002 zu einer Kandidatur bereit erklärt.
Ich habe schon oft mit Schachuhren gespielt mit der Aufschrift ,,Gestiftet von Ehrenmitglied K.-H. Hein''. Lapidare Frage: Wie wird man Ehrenmitglied des BVO?
Hein: Diese neugierige Frage wurde mir bereits von "Youngster" Thomas Carl in Michelau anlässlich des runden Geburtstages von Ehrenpräsident Hermann Nemmert gestellt. Ganz einfach: "gute Beziehungen zum Führungsduo". Nein, Spaß beiseite, ich glaube und bin fest davon überzeugt, dass ganz andere Gründe ausschlaggebend für die Ernennung zum Ehrenmitglied im März 1989 waren. Sicher wollte man mein jahrelanges schachliches Engagement, nicht zulertzt auch das finanzielle, das sich ja nicht nur auf meinen Verein und dem Schachkreis Bamberg beschränkte, in einer angemessenen Form würdigen. Nicht vergessen möchte ich, dass ich bereits 1981 das Ehrenzeichen in Gold erhielt, vom Schachkreis Bamberg 1990.
Sind dir solche Ehrentitel wichtig? Bist du stolz darauf?
Hein: Die Frage, ob mir Ehrentitel wichtig sind, muss ich ganz entschieden verneinen. Ich mache meine Arbeit nicht um Titel zu sammeln, sondern weil es mir Spaß macht. Jedes Mal war es mir fast peinlich, beim Schachkongress oder bei Sitzungen als Ehrenmitglied begrüßt zu werden; ich hoffe, dass sich dies jetzt etwas beruhigt. Die Frage, ob ich stolz auf diesen Ehrentitel bin, muss ich gleichfalls verneinen. Ich bin nicht hochbefriedigt oder hochmütig; vielleicht etwas selbstbewusst durch die Überzeugung, dass meine Arbeit anerkannt wurde.
Mal abgesehen von den Finanzen, die man ja nicht öffentlich diskutieren sollte: Wie siehst du momentan die Situation und die nahe Zukunft des BVO?
Hein: Die augenblickliche Situation und die nahe Zukunft des BVO sehe ich recht zuversichtlich. Wie ich bereits anklingen ließ, ist die Vorstandschaft in wichtigen Positionen neu besetzt und wird mit den Alt-Bewährten einiges umsetzen. Ohne die wichtigen Aufgaben des Präsidenten, Bezirksspielleiters, Bezirksjugendleiters, Schulschachleiters und DWZ-Referenten schmälern zu wollen, hat es jetzt schon im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und im Internet-Bereich eine positive Revolution gegeben. Es tut sich was. Aus allen Bereichen kommen neue Ideen, vielleicht nicht alle umsetzbar, aber sehr nützlich zum Gelingen des Ganzen. Ich bin fest davon überzeugt, in Kürze wird man beim BSB nicht mehr fragen: "Gibt es Oberfranken noch?"
Ich habe den Eindruck, dass du gerne auch einmal kritische Meinungen vertrittst, um Diskussionen anzustoßen. Liege ich da falsch?
Hein: In meinem ganzen bisherigen Leben war ich kein grundsätzlicher Ja-Sager. Ich muss also gestehen, dein Eindruck hat dich nicht getäuscht. Besonders während meiner beruflichen Laufbahn ab ca. 1972, die mir ein breit gefächertes Aufgabengebiet bescherte, konnte ich mich mit meiner Mentalität immer behaupten. Selbstverständlich muss man wissen, wann und wo Grenzen sind. Auch im BVO stehen vielseitige Aufgaben an, die ich kritisch betrachte. Ich bin aber der Meinung, dass sachliche Kritik positiv zu sehen ist, weil sie letztlich für eine gemeinsamen Meinungsbildung und Entscheidung unentbehrlich ist.
***
Zur Person: KARL-HEINZ HEIN
---Beruf
Hein dazu: Prokurist, war 12 Jahre bei der BW, nach der Ausbildung in Regensburg zum Rechnungsführer wurde ich 1963 nach Ebern versetzt und die Stelle des Zahlstellenleiters inne. Nach meiner Entlassung fand ich Anstellung bei der Firma Arendt in Bamberg (seit 1990 Einzel-Prokura).
---Familie
Hein dazu: Seit 1981 lebe ich mit meiner Lebensgefährtin Elke zusammen und hoffe, nachdem die Kinder außer Haus sind, noch eine schöne Zeit mit ihr erleben zu dürfen.
---Hobbys (außer Schach)
Hein dazu: Soweit Zeit von uns beiden für unser Hobby vorhanden ist, wird diese mit Wandern und Hören von klassischer Musik ausgefüllt. Die damit verbundene Erholung erfuhr ich erst durch meine Lebensgefährtin, zuvor gab es für mich neben dem Beruf nur Schach, Schach und nochmals Schach.
---Erfolge beim Schach
Hein dazu: Die schachlichen Erfolge hielten sich in Grenzen. Ich glaube auch - und da bin ich sicher nicht allein mit meiner Meinung - dass aktives erfolgreiches Schachspielen gepaart mit Funktionärstätigkeit, egal auf welchem Spielniveau, letztendlich zu Lasten des Schachspielens geht. Trotzdem konnte ich 1982 als 1. Ersatzspieler mit der 1. Mannschaft des TV 1860 Bamberg Meister in der Bezirksliga I werden (unter anderem Remis gegen Präsident Blinzler), der damit verbundene Aufstieg in die damalige Regionalliga Nordbayern brachte mir einen Einsatz gegen Franken Schweinfurt. Im Fernschach wurde ich mehrmals bei Vergleichswettkämpfen in der oberfränkischen Mannschaft eingesetzt.
---Stationen als Schachfunktionär
Hein dazu: Hier kann ich sagen, dass ich das 1x1 des Schach-Funktionärs von der Pieke auf gelernt habe:
- ab 1963 Spielleiter beim TV Ebern und gleichzeitiger Aufbau einer Schachgruppe bei der Bundeswehr
- Ab 1969, nach Gründung der Schachabteilung des TV 1860 Bamberg, habe ich alle Funktionen wie Spielleiter, Jugendleiter, Kassier, Schriftführer, Materialwart, Schachbibliothekar, Fahrer und so weiter in Personalunion ausgeführt.
- ab 1974 Spielleiter des Schachkreises Bamberg, dazu Jugendleiter und Schriftführer
- Im Herbst 1987 musste ich aus beruflichen Gründen alle meine Funktionen abgeben, da ein beruflicher Einsatz in Württemberg bevorstand und ich eine geordnete Übergabe der schachlichen Arbeit an meine Nachfolger gewährleisten wollte.
- In den 70er Jahren rief ich das Dreikönigs-Blitzturnier in Bamberg ins Leben.
- Mit Günter Lossa, Rudi Treppner, Hans-Günter Kestler und Pavle Radic habe ich den Bamberger Schachverlag gegründet mit Herausgabe der Schachzeitung "Schach-Report", und mit dem Bamberger Schachverlag und Joachim Beyer Verlag (Hollfeld) das bekannte Pfingst-Schnellschachturnier, zuletzt bekannt unter Dr. Robert-Pfleger-Gedächtnis-Schnellschachturnier, durchgeführt.




Ernst-Robert Kadesreuther ist 70
Spieler und Funktionär mit Leib und Seele

Herzlichen Glückwunsch, Ernst-Robert Kadesreuther! Das Ehrenmitglied des Bezirksverbands Oberfranken aus Helmbrechts feierte am 30. Juli seinen 70. Geburtstag.
Kadesreuther ist so etwas wie eine lebende Legende des Schachs in unserer Region und darüber hinaus. So gehörte er etwa zu den Gründervätern des Schachkreises Hof. Im Oktober 1956, als gerade mal 24-Jähriger, übernahm er das Amt des Kreisspielleiters. Im Jahr 1962 gab er seinen Posten im Kreis ab und wurde Bezirksspielleiter.
Sein Hauptaugenmerk galt stets der Jugendarbeit. Zahllosen Kindern und Jugendlichen hat er das ,,königliche Spiel'' näher gebracht. ,,Man muss der Jugend Schach als Spiel, das Spaß macht, vermitteln'', sagte er 1999 in einem Interview.
Nur logisch war es da, dass Kadesreuther 1967 zum Jugendleiter des Deutschen Schachbunds aufstieg. 1970 war er der Gründungsvorsitzende der Deutschen Schachjugend. Bis 1981 engagierte er sich in diesem Ehrenamt, baute Strukturen auf, von denen seine Nachfolger in der DSJ noch heute profitieren. Anschließend wirkte er bis 1987 als Referent für Breiten- und Freizeitsport im Deutschen Schachbund. Noch heute ist Ernst-Robert Kadesreuther ein aktiver Spieler mit Leib und Seele. Kurz vor dem 70. Geburtstag gelang ,,seinem'' SK Helmbrechts der Aufstieg in die Bezirksliga I - ein ganz besonderes vorgezogenes Geburtstagsgeschenk. Und sein Wort hat nach wie vor Gewicht: Als Kadesreuther beim oberfränkischen Kongress den scheidenden Präsidenten Ludwig Schirner würdigte und um einen Applaus bat, erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen und klatschten minutenlang stehend Beifall für den ,,guten Ludwig''. Im Beirat des Schachkreises Hof ist Kadesreuthers Rat - wie eh' und je - gefragt. Seine ruhige, ausgleichende Art zeichnet ihn damals wie heute aus.




JULI 2002

Vizepräsident in ,,jungen Jahren'' - Fragen an Thomas Carl

,,Wer nicht wagt, der nicht gewinnt''


Es ist erst 33 Jahre jung - und doch schon einer der ,,Spitzenmänner'' des Bezirksverbands Oberfranken: Thomas Carl ist seit dem Kongress am Karfreitag einer der beiden Vizepräsidenten des BVO (neben Hans-Gottfried Gäbler). Der Weidhausener ist bekannt für sein schachliches Engagement, für interessante Ideen und eine klare Meinung - im Interview mit unserem Referenten für Öffentlichkeitsarbeit stellt er das unter Beweis.

Wie oft und wo warst du bisher als Vize-Präsident im Einsatz?
Thomas Carl: Diese Frage ist ja fast hinterhältig! Ich könnt jetzt sagen "Ständig!", wenn man die Arbeit im stillen Kämmerlein betrachtet. Aber im Ernst: Ich wollte den SF Windheim zu ihrem 20. Jubiläum gratulieren, was ich jedoch kurzfristig absagen musste. Wie die meisten wissen, habe ich gerade mein Häuschen mit viel Eigenarbeit fertig gestellt und just an diesem Wochenende sind wir dann umgezogen. Ansonsten sind in die bisherigen drei Monate noch nicht allzu viele Termine gefallen!
Was hat dich gereizt, in ,,jungen Jahren'' für eine der Spitzenpositionen des BVO zu kandidieren?
Carl: Danke für die ,,jungen Jahre''! Aber genau darin liegt natürlich auch der Reiz beziehungsweise der Ehrgeiz. Da kann man mit dem mir eigenen Idealismus noch etwas aufstellen, auch längerfristige Ideen sind drin.
Der eigentliche Grund jedoch - und da muss ich den Ball an unseren ,,Chef'' Hans Blinzler zurückspielen - liegt wohl beim Präsidenten selber. Ich habe ihn animiert, für das Spitzenamt zur Verfügung zu stehen, worauf er sinngemäß meinte: ,,...aber nur mit deiner Unterstützung!'' Tja, und danach gab´s halt kein Zurück mehr!
Für das neue Team des erweiterten Vorstands gab es ja schon einige lobende Worte. Was müssen wir tun, dass der positive Eindruck weiter bleibt?
Carl: Nicht auffallen! Klingt seltsam, aber wann reden denn die Leute: wenn man schlecht oder nicht arbeitet! So lange wir unsere Aufgaben mit Gewissenhaftigkeit und Ordentlichkeit erfüllen, werden alle zufrieden sein. Wenn man die ersten Vorstandssitzungen sieht: Junge Junge, da wird ganz schön was angepackt. Aber alles will gut durchdacht sein, vorschnellen und überhasteten Aktionismus will auch keiner haben. Entscheidend aber ist, dass der Laden läuft. Dann werden einem auch mal Fehler verziehen.
Du hast ja auch die Regelung forciert, dass freigelassene Bretter von 1 bis 7 weitere Punktverluste nach sich ziehen. Wie ist Dir die Idee zu dieser Regelung gekommen?
Carl: Die Idee kam nicht von mir allein, da muss ich Matthias Rotsch, einen wichtigen Mitarbeiter unseres Kreises und der BSJ nennen! Wir saßen an der Quelle des Problems, denn gerade in der Bezirksliga II West wurden doch durch Aufstellen sogenannter Strohmänner an den vorderen Brettern die eine oder andere Taktierung vorgenommen, ohne jetzt Namen nennen zu wollen. Viele Diskussionen zu diesem Punkt ließen in unseren Überlegungen nur die heutige Regelung als richtigen Schluss zu.
Hat sie sich bewährt?
Carl: Aber ja doch! Man muss nur den Rückgang der frei gebliebenen Bretter und damit der kampflosen Partien verfolgen! Ein eindeutiges Votum findet man auch in unserem Schachkreis: Dort war die Not nicht gerade am größten, aus Gründen der Durchgängigkeit haben wir dort nach Abstimmung diese Regelung auch eingeführt. Nach einem Jahr wurde sie einstimmig bestätigt. Ich finde, das spricht für sich!
Ich habe den Eindruck, dass Du Reformen im Schach nicht abgeneigt gegenüber stehst (was ich persönlich auch gut finde). Was muss eine Reform-Idee haben, damit sie für Dich tragfähig ist?
Carl: Sie muss unserem - wie ich den Schachsport gerne nenne - wunderschönen Spiel dienlich sein. Sie darf also nicht einzelne bevorteilen, sondern muss für die Praxis Erleichterungen bringen. Oder zumindest alte Fehler verbessern. Sicher wird es auch die eine oder andere Idee geben, der man ablehnend gegenüber steht und die sich auch als unvorteilhaft erweist. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Um es humorvoll zu sagen: Wir wollen doch nicht, dass Oscar Wilde mit seinen Worten ,,Ich glaube nicht an den Fortschritt, sondern an die Beharrlichkeit der menschlichen Dummheit'' Recht behält!
Welche Reformen im BVO könntest Du Dir in den nächsten Jahren noch vorstellen?
Carl: Schwierig, schwierig. Eine Reform wird ja nicht um ihrer selbst willen ausgeheckt, sie hat ja immer eine Ursache. Irgendwo sticht etwas ins Auge, das nicht befriedigend ist, und das fange ich stets an zu grübeln. Es soll ja nicht der Eindruck entstehen, dass ich hier unseren Verband umkrempeln will, um Himmels Willen! Macht ja auch gar keinen Sinn. Aber vielleicht eine Anregung, die ich auch schon aus mehreren Ecken so ähnlich gehört habe: Vielleicht sind unsere Einzelturnier zuweilen zu umfangreich in Runden und Teilnehmerzahl!? Ein Blitzturnier beispielsweise mit 30 Leuten, dass sechs, sieben Stunden dauert, ist doch recht ausgedehnt. Noch ein Gedanke zur allgemeinen Erregung der Gemüter: Wozu ist es eigentlich dienlich, dass in Mannschaftskämpfen ein Spieler bis zu eine Stunde verspätet am Brett erscheinen darf? Wem bringt das was? Wie gesagt, nur ein Gedanke!!!
Ohne zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern zu wollen: Hältst Du die derzeitige Struktur der oberfränkischen Schachkreise noch für zeitgemäß?
Carl: Klares nein! Wir haben sechs Schachkreise, was zum einen bedeutet, dass der bürokratische Aufwand nicht gerade gering ist. Weiterhin fallen mir einige sportliche Nachteile ein: Kleine Kreise, die gerade mal eine A-Klasse mit sechs oder etwas mehr Mannschaft zusammen bekommen, machen neben großen Kreisen mit vier oder fünf Ligen einen etwas einsamen Eindruck. Auch halte ich drei Absteiger in einer BII mit zehn Teams für sportlich sehr fraglich. Dies sind aber nur ein paar Gedanken, sicher gibt es noch wichtigere. Mir ist jedoch völlig klar, dass eine Reform der Kreisstrukturen auf viel Widerstand stoßen kann, deshalb wäre hier ein äußerst behutsames Vorgehen angebracht. Die Zeit wird es uns weisen!
***
ZUR PERSON: THOMAS CARL
--Familie
Tom Carl dazu: Seit über zehn Jahren sehr glücklich verheiratet mit Claudia, Tochter Lena (neun Jahre) sowie Sohn Lucas (sechs Jahre); alle drei aus meinem Leben nicht mehr weg zu denken!
--Beruf
Carl dazu: Mein Traumberuf Gymnasiallehrer für die wunderbaren Fächer Mathematik und Physik. Zwischendurch 2 Jahre Projektabwicklung bei Siemens PL in Nürnberg. Seit Herbst 2000 am Gymnasium Burgkunstadt.
--Hobbys (außer Schach)
Carl dazu: Viel zu viele... Aktiver Sportkegler und Tennisspieler. Bei ausreichend Zeit (leider stets zu wenig) lese ich gerne und wandere in den Bergen!
--Erfolge im Schach
Carl dazu: Seit 15 Jahren Spieler in der ersten Mannschaft des SK Weidhausen, dabei schon mehrfach Meister der A-Klasse gewesen... Fahrstuhlmannschaft also! Ansonsten nur kleine Erfolge, mehrfach Vereinsmeister, Pokalsieger und Blitzmeister im eigenen Klub. Einmal sogar Vizepokalsieger auf Kreisebene, boah! Na ja, es langt gerade, um mal ein paar 2000er zu ärgern!
--Stationen als Schachfunktionär
Carl dazu: Noch nicht so viele, bin ja noch ein Jungspund! Seit Gründung des SK Weidhausen, also 1989 Schriftführer, seit 1997 erster Vorsitzender. Im Jahr 2000 bin ich dann eher aus Not für unseren scheidenden Kreisvorsitzenden- und spielleiter Hans Porzel eingesprungen und hab mich dann schnell im BVO-Vorstand akklimatisiert.




JUNI 2002

Bezirksspielleiter Reiner Schulz im Interview:

,,Meine Arbeit spricht für sich''


Seit Ostern hat Oberfranken einen neuen Bezirksspielleiter: Reiner Schulz löste Hans-Gottfried Gäbler ab. Interessant: Bereits vor acht Jahren war der Höchstadter Gäblers Nachfolger - damals als Bezirksjugendleiter. In einem Interview mit dem Referenten für Öffentlichkeitsarbeit erklärt der 49-Jährige aus Höchstadt/Aisch, warum er sich für Schach einsetzt und welche Ideen er für die kommenden Jahre hat.

Du giltst als einer, der ruhig und fleißig für den Schachsport arbeitet. Stehst du ungern im Rampenlicht?
Reiner Schulz: Mir ist wichtig, dass der Schachbetrieb ordnungsgemäß abläuft. Dazu arbeite Ich lieber im "Hintergrund". Meine Arbeit spricht für sich.
Hast du als Höchstadter durch die Nähe zu Mittelfranken viele Kontakte dorthin? Gibt es Ideen oder Aktionen, die sich der Bezirksverband Oberfranken von den Mittelfranken abschauen könnte?
Schulz: Ich pflege gute Kontakte zu Mittelfranken, besonders zu den Nachbarvereinen FSV Großenseebach und SK Herzogenaurach. Auch dem SC Forchheim stellten wir schon bezirksübergreifend Gastspielerinnen zur Verfügung. Durch die Zusammenarbeit mit dem Schachkreis Mittelfranken Nord wurde 1997 unser oberfränkischer Internetauftritt maßgeblich initiiert. Wolfgang Hornung und ich erstellen seitdem Schach-Homepages für den Erwachsen- und den Jugendbereich in Oberfranken. Gut finde ich auch die selbstständige Jugendorganisation im Schachbezirk Mittelfranken, die auch Oberfranken neue Impulse geben würde. Trotz meines Wechsels in den Erwachsenenbereich wird dies ein Zielprojekt für mich bleiben.
Für viele war es logisch, dass der Bezirksjugendleiter zum Bezirksspielleiter wird (wie schon Gäbler vor acht Jahren). War es für dich auch schon seit längerem klar, dass du das Amt übernimmst? Was hat letzten Endes den Ausschlag für die Kandidatur gegeben?
Schulz: Bislang war ich mit meiner Jugendtätigkeit sehr zufrieden. Der "Gute Ludwig" hat mir vor etwa einem Jahr gesagt, dass er mir auch das Erwachsenenressort zutrauen würde, denn über kurz oder lang würde ein neuer Spielleiter gesucht und neue, junge Funktionäre müssten in der Jugendarbeit nachfolgen. Letztlich haben die Aussicht auf neue gute Jugendfunktionäre (Wolfgang Siegert und Klaus Steffan) und die "Anspielungen" auf mein fortgeschrittenes Alter mich bewogen, die Kandidatur anzunehmen.
Was wird der wesentliche Unterschied zwischen den Posten als Bezirksjugendleiter und Bezirksspielleiter sein?
Schulz: Im Jugendbereich war Einfühlungsvermögen und Motivation gefragt. Oft herrschte neben der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen aber auch die Auseinandersetzung mit den Eltern oder Trainern vor. Beim Erwachsenenschach wird sich die Arbeit mehr in der Organisation der Meisterschaften und der Turnierleitung abspielen.
Was hast du im Bereich Jugend in den vergangenen Jahren bewegt?
Schulz: Nicht nur den Leistungssport, sondern auch den Breitensport in der Jugendarbeit halte ich für besonders wichtig. Deshalb habe ich besonderen Wert darauf gelegt, Vereine für Jugendarbeit zu motivieren, und viele Jugendleiter und Funktionäre dazu angehalten ihre Jugendlichen frühzeitig zu Meisterschaften zu schicken. Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit war es neben Talentsichtungslehrgängen auch sogenanntes Stützpunkttraining und Vorbereitungslehrgänge für Bayerische Meisterschaften einzuführen. Besonders gefreut haben mich auch immer "Großveranstaltungen", wie zum Beispiel die Oberfränkischen Meisterschaften in Schney mit bis zu 70 Teilnehmern über vier Tage oder die Schulschachmeisterschaften mit bis zu 250 Teilnehmern. Ein besonderes Talent durfte ich bei meinem ersten organisierten Talentsichtungslehrgang vor acht Jahren auf dem Weinberg bei Mönchröden kennen lernen: den heute 14-jährigen Spitzenspieler Axel Heinz.
Die Einzelmeisterschaft der Erwachsenen soll ja mit den Titelkämpfen der Jugend zusammengelegt werden (2. bis 6. Januar). Worin siehst du die Vorteile dieses geplanten neuen Termins?
Schulz: Wie schon in früheren Jahren, wo immer die Jugend an Ostern zusammen mit den Erwachsenen ihre Meisterschaften durchgeführt hat, soll es auch jetzt wieder gemeinsame Meisterschaften, allerdings bereits in den Weihnachtsferien, zwischen dem 2. und 6. Januar geben. Ostern sind jetzt nämlich bereits die bayerischen Meisterschaften der Jugend und die Qualifikanten müssen ermittelt sein. Die Vorteile liegen auf der Hand: gemeinsame Organisation, bessere Betreuung der Jugendlichen am Tag und auch in der Nacht, bessere Auslastung der Räume und der Gastronomie, Gefühl der gemeinsamen "Schachfamilie". Die Osterferien können dann eventuell für attraktive Open genutzt werden.
Wie viele Stunden Freizeit opferst du pro Woche durchschnittlich für Schach? Wie viel für den Verein, wie viel für den Bezirksverband?
Schulz: Das ist natürlich sehr unterschiedlich, manche Tage klingelt das Telefon ununterbrochen, die Leute kommen gar nicht mehr durch, weil ich gleichzeitig noch im Internet bin. Auf der anderen Seite sind natürlich die vielen Termine als Turnierleiter etc. für die Familie viel lästiger, weil ich dann nicht zu Hause sein kann. Durchschnittlich sitze ich vielleicht eine Stunde pro Tag am Telefon oder Computer, zusätzlich der Vereinsabend, die Betreuung der Vereinsjugend als Trainer oder Fahrer, die Mannschaftskämpfe, die Turnierleitertage und die Tagungstermine.
***
ZUR PERSON: REINER SCHULZ
--Familie
verheiratet seit 1980 mit Johanna (Heilpraktikerin in Erlangen), zwei Söhne, Steffen (geb. 1982) kurz vor dem Abitur und Volker (geb. 1985) kurz vor der mittleren Reife.
--Beruf
Dipl. Ingenieur der Elektrotechnik, beschäftigt seit 25 Jahren bei Siemens / KWU heute PG (Power Generation) in Erlangen als Projektingenieur für Mess-, Regel- und Steuerungstechnik für Kraftwerke
--Hobbys (außer Schach)
Garteln, Fahrradfahren und Lesen
--Schacherfolge
Schulz: Leider habe ich kaum noch Zeit oder manchmal auch Lust auf Schachspielen, denn wo immer ich auftauche, im Verein, im Kreis, im Bezirk oder auch auf bayerischer Ebene, gibt es etwas zu besprechen oder zu organisieren. Besonders durch meine frühe Funktionärstätigkeit beschränken sich die Erfolge dann auch auf Kreisjugend- und Vereinstitel. Die regelmäßige Teilnahme an den Mannschaftskämpfen lasse ich mir allerdings nach wie vor nicht nehmen.
--Stationen als Schachfunktionär
seit fast 35 Jahren durchgängig Mannschaftsführer der verschiedensten Mannschaften zuerst in Coburg, später in Höchstadt
von 1971 - 1983 Jugendleiter und Schriftführer beim Coburger SV
von 1971 - 1979 Kreisjugendleiter im Doppelschachkreis CO/NEC/LIF/KC
von 1984 - 1986 Spielleiter in Höchstadt
von 1994 - 2002 Jugendleiter Schachbezirk Oberfranken
seit 1981 - Bezirks- und später Verbandsschiedsrichter
seit 1986 - 1. Vorsitzender im Schachclub Höchstadt/Aisch
seit 1998 - Übungsleiter Schach
seit 2002 - Spielleiter in Oberfranken
Mitorganisator der Oberfränkischen Meisterschaften 1972 in Coburg,
der Bayerischen Meisterschaften 1975 in Coburg und wiederum der Oberfränkischen Meisterschaften 1987 in Höchstadt (Hierbei wurde erstmals ein Computerprogramm zur Auswertung der Meisterschaften eingesetzt.)




MAI 2002

Exklusiv: Der neue Präsident Hans Blinzler im Interview
,,Hauptsache, es lebt weiter !''


Er ist der neue Mann an der Spitze des Bezirksverbands Oberfranken: Hans Blinzler, 53-jähriger Realschulrektor aus Kronach. Für viele ist der Präsident freilich kein Unbekannter - über viele Jahre und Jahrzehnte hat er sich bereits als Spieler und vor allem als Funktionär weit über Oberfranken hinaus einen Namen gemacht. In einem Interview erklärt er offen und ehrlich, warum er als Präsident angetreten ist und was er bewegen will.

Wie und wann ist bei dir die Entscheidung gereift, Präsident des BVO zu werden?
Hans Blinzler: Als mein lieber Kreisvorsitzender Tom Carl in der BVO-Vorstandssitzung hinterhältig meinte, ,,wenn du als Stellvertreter kandidieren willst, kannst du doch gleich auch als Präsident antreten...''
Was hat Dich gereizt am Amt des Präsidenten?
Blinzler: Etwas voran zu treiben, was in meinen Augen noch nicht befriedigend läuft.
Ist es nicht besonders schwer, in die großen Fußstapfen des ,,Guten Ludwig'' zu treten?
Blinzler: Natürlich. Der ,,Gute Ludwig'' ist mein Schach-Funktionärs-Vorbild seit 1967, als ich unter seiner Leitung auf dem Mönchrödener Weinberg erstmals die Kreisjugendmeisterschaften mitmachte. War übrigens unheimlich was los damals da oben - ,,Chess live''. Einer von meinem Verein hat Hausverbot bekommen, weil er früh um drei besoffen ein Fenster vom Jugendheim eingeschmissen hat, anders wär' er nicht mehr reingekommen. Die Story wird heut' noch manchmal ausgekramt ,,aus den Pionierzeiten''.
Aber zurück zum Thema: Hab' keinerlei Angst. Jeder macht seine Arbeit. Ich selbst hab' schon in zahlreichen Gremien mitgewirkt, auch beruflich, im Lehrerverband usw., man darf sich nie an Vorgängern messen, man darf sie nur anerkennen in ihrer idealistischen Arbeit. Es gibt eine Ära ,,guter Ludwig'' und vielleicht einen ruhigen Abschnitt Hans Blinzler im oberfränkischen Schach. Ich bezeichne mich gern als Pragmatiker, einen, der nüchtern aus seiner eigenen Erfahrung Vorteile zieht...
Was kann man sich als Präsident von Ludwig Schirner abschauen?
Blinzler: Den Hang zum Konsens. Ludwig wollte immer, dass sich alle miteinander verstehen. ,,Liebe Freunde, das wollen wir doch nicht...'' Natürlich geht das nicht wirklich. Aber sich das Ideal einfach vornehmen, ist ja auch schon was...
Worin siehst du deine wichtigste Aufgabe/Herausforderung als Präsident?
Blinzler: Eine sachlich und konziliant arbeitende Vorstandschaft, eine handlungsfähige BVO-Führung eben. Kommunikation steht in meinen Vorstellungen ganz oben.
Welche Eigenschaften muss ein Präsident mitbringen?
Blinzler: Integrationsfähigkeit und Führungsqualitäten. Schacher sind von Natur aus Individualisten, also menschlich nicht leicht zu handhaben. Funktionäre besonders. Auch wenn's altmodisch klingt, ich bin immer noch ein Anhänger des alten FIDE-Spruchs: ,,Gens una sumus'', wir sind EINE Schach-Familie.
Zu den Führungsqualitäten: Jeder sagt halt seins. Ein Beispiel: In allen beruflichen und sportlichen Gremien, in denen ich tätig bin, erteilt der Versammlungsleiter das Wort, wer als nächster zu reden hat. Im BVO (Vorstandschaft) hat sich eingebürgert, dass jeder spricht, dem was einfällt. Geht natürlich auf Dauer nicht. Musste also ab und zu mal anecken...
Es war dein ausdrücklicher Wunsch, zwei Vizepräsidenten zu installieren - worin siehst Du die Vorteile dieser Regelung, die ja beim Kongress auch mit eindeutiger Mehrheit beschlossen worden ist?
Blinzler: Ost- und Westoberfranken kommen zu ihrem Recht. Und, ganz banal, durch zwei Vertreter kann man leichter vertreten werden als durch einen. Beispiel die nächsten Wochen: Ich weile als Reiseleiter für den Landkreis Kronach in Schottland, Vertreter Hans Gäbler geht für mich zum Jubiläum nach Lobenstein, Vertreter Carl geht zum Jubiläum nach Windheim. So soll's doch sein...- Ich bin Hans Gäbler, der sicher oft kritisiert wurde, sehr dankbar, dass er doch- nach Bedenken - den Stellvertreter angenommen hat. Thomas Carl sowieso. Ich glaube, wir sind ein ganz gutes Gespann und Ludwig Schirner kann ruhig schlafen.
Was läuft gut, was weniger gut im oberfränkischen Schach?
Blinzler: Ich bezieh' mich auf obigen Punkt, fast das Gleiche. Kommunikation bis zum einfachen Schachklub-Mitglied finde ich unheimlich wichtig. Da sind Fehler gemacht worden. Aber ich habe ja großartige Mitarbeiter (Fischer, Hornung und Co.). Ich bin jetzt mal einfach optimistisch für unsere Zukunft...
Wie kann man das Schach attraktiver machen?
Blinzler: Vor allem schneller. Habt ihr zuletzt Prag beobachtet? Da waren alle Schacharten vertreten, von Turnierschach über Schnellschach bis Blitz. Im Rahmenprogramm noch Blindschach. Das kommt alles an. Das ist die Zukunft...
Kommt jetzt nach der ,,Ära Schirner'' eine neue, langjährige ,,Ära Blinzler''?
Blinzler: Ich wass net. Aber immerhin bin ich ja auch schon 35 Jahre lang Schachfunktionär... Irgendwann steht's vielleicht in irgendeiner Chronik - aber: Hauptsache, es lebt weiter...
***
ZUR PERSON: HANS BLINZLER
--- Blinzler, der Schach-Funktionär:
- 21 Jahre Schachklub-Vorsitzender in Kronach
- 35 Jahre Schachfunktionär
- drei Jahre aktiv im Hochschulschach
- acht Jahre aktiver Schachspieler
- zwei Jahrzehnte BVO-Vorstand
- Aufbau des Schulschachs in Oberfranken
- ein Jahrzehnt im BSB-Präsidium
- vier Jahre DSB-Funktionär
- Erstellung von DSB-Broschüren
- Vereinsnachrichten in gedruckter Form seit 1967
Blinzler dazu: Also, das ist eine recht lange Geschichte, hoffentlich wird's nicht langweilig. Los ging's in der Schule, als ich so in der zehnten Klasse, mit 16, erste Klassen- und später auch Schulmeisterschaften im Schach organisierte. 1967 (mit 19 Jahren) wurde ich dann Spielleiter des KSK. Einführung des Schachs als offizielle Sportart an der Uni Erlangen als ADH-Fachleiter 1971 bis 1973, Organisation deutscher Unimeisterschaften. Ab 1981 1. Vorsitzender des KSK, als Nachfolger des heute noch legendären Leo Neuberg, der 30 Jahre lang Vorsitzender war. Oberfränkischer Schulschachleiter etwa 1980 bis 1990, Aufbau des oberfränkischen Schulschachs. Mitarbeiter in der oberfränkischen Bezirksvorstandschaft ununterbrochen seit 1980. Bayerischer Breitenschachreferent 1989 bis 2001, Rücktritt wegen einer Infektionskrankheit mit damals unbekanntem Ausgang. Vier Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Referats Breitenschach im Deutschen Schachbund (DSB), unter Vorsitz von Ernst Bedau. Mit-Erstellung, teilweise redaktionelle Leitung bei mehreren Werbeschriften für den DSB (mehrere Auflagen von ,,Schach im Rampenlicht'', zuletzt: ,,Schach-Zitate im Lauf der Geschichte''). Als KSK-Vereinsvorsitzender Organisation des 100-jährigen (groß gefeierten) Jubiläums 1982 und eines Besuchs bei der Schacholympiade in Novi Sad, Jugoslawien. Herausgeber von Vereinszeitungen seit 1967, heute gedruckt in Heftform A4, bei vier Mitarbeitern im Verein.
--- Blinzler, der erfolgreiche Schachspieler
Blinzler dazu: Langjähriger Regionalligaspieler für Kronacher Schachklub, früher (das heißt in der grauen Vorzeit) auch mal in der Landesliga für den FC Nordhalben, als BLSV und BSB noch getrennt waren. Muss in der Eiszeit gewesen sein oder so, jedenfalls unheimlich lange her... Kreismeister Kronach-Lichtenfels-Coburg-Neustadt 1971, oberfränkischer Vizepokalsieger, Universitätsmeister Erlangen, Vereinsmeister, Pokalsieger, Blitzmeister im Kronacher Schachklub 1882 e. V. (,,KSK'') und im FC Nordhalben. Heute spiel' ich in der zweiten Mannschaft des KSK in der Bezirksliga II Westoberfranken und war in dieser Mannschaft immerhin viermal bester Punktesammler, auch heuer wieder. Meine DWZ schwankt etwa zwischen 1980 bei Mannschaftswettkämpfen und knapp 1700 bei Vereinsturnieren (weil am Freitag, abgestresst).
--- Blinzler, der Lehrer
Blinzler dazu: Realschulrektor - ich bin seit 1998 der Schulleiter der Maximilian-von-Welsch-Realschule Kronach. Vorher war ich sechs Jahre lang als Konrektor an einer Coburger Realschule, davor 16 Jahre lang Realschullehrer in Kronach.
--- Blinzler, der Familienmensch
Blinzler dazu: Glücklich verliebt in Lebensgefährtin Margarete, die wie ich ,,unheimlich'' - als aktiver Sportler und als Funktionär- in der Sportbewegung engagiert ist. Habe aber auch (aus erster Ehe) drei nette erwachsene Kinder, mit denen ich mich prima verstehe, und vier Enkelkinder, die ich viel zu selten sehe...



APRIL 2002

Schach in der Grundschule Wunsiedel: Es muss nicht immer Matt sein


Es ist ein Projekt, das im Landkreis Wunsiedel seinesgleichen sucht: An der Grundschule in der Kreisstadt wird seit September 2001 ein Schachkurs für Kinder von sechs bis zehn Jahren angeboten. Die Resonanz ist riesig: 20 Mädchen und Buben opfern jeden Montag eine Stunde ihrer Freizeit, um die Geheimnisse des königlichen Spiels zu entdecken. Ihr Trainer ist einer der besten Denksportler aus dem Landkreis, der Blindenspieler Ludwig Zier.
Montag, 15 Uhr: Im Klassenzimmer wird es ruhig. Wie gebannt schauen die Kinder auf ein großes Schachbrett, das Grundschullehrer Herbert Fischer nach den Angaben von Ludwig Zier aufgebaut hat. Vorher haben sie noch herumgetollt, doch jetzt sind sie ganz still. Denn es gilt, ein kniffliges Problem zu lösen: Wie setzt der Spieler mit den weißen Steinen am schnellsten Patt? Also: Kein Matt gilt es diesmal zu finden, sondern eine Möglichkeit, die Partie zwingend mit Remis zu beenden - keine Figur soll nicht mehr ziehen können, im Gegensatz zum Matt aber soll der König nicht angegriffen sein. Es dauert nicht lange, und die Finger schnellen nach oben. Christian weiß die richtige Antwort: ,,Dorthin muss man die Dame ziehen.'' Richtig, ein gewieftes Damenopfer rettet dem Weiß-Spieler das Patt und so zumindest einen halben Punkt.
Solche Kombinationen stehen immer am Anfang der Schachstunde in der Grundschule. Danach erklärt Ludwig Zier, der Internationale Fernschach-Meister, oft etwas über Taktik und Strategie des Schachspiels. Dann zitiert er Ex-Weltmeister Max Euwe: ,,Strategie ist eine Sache des Denkens, Taktik eine Sache des Sehens.'' Im 14-tägigen Rhythmus gibt es solche Trainingseinheiten mit praktischen Beispielen. Heute aber steht das Turnier auf dem Programm. Zier, am Lehrerpult sitzend, verliest die Paarungen der siebten Runde, die er in Blindenschrift notiert hat. Die Kinder schnappen sich Bretter und bauen eifrig die 32 Figuren auf. Geduldig warten sie ab, bis Herbert Fischer die Partien frei gibt: ,,So, jetzt dürft ihr spielen'', sagt er. ,,Und ihr wisst ja, beim Spielen sind wir ruhig, damit wir uns gut konzentrieren können.'' Natürlich sind die Kinder trotzdem unruhig, doch sie konzentrieren sich auch: Ihre Augen wandern übers Brett, nach kurzem Überlegen entscheiden sie sich für den nächsten Zug. Schachsprüche haben sie auch schon gelernt: ,,Weiß fängt an und gewinnt'', sagt Maximilian zu seinem Gegner Sergej.
Lehrer Herbert Fischer, ein Hobby-Schachspieler, beobachtet die Stellungen, Ludwig Zier wartet auf erste Ergebnisse. Stellvertretender Schulleiter Reinhard Dengler schaut kurz beim Schachkurs vorbei und freut sich: ,,Toll, was die Kinder schon können.'' Während er das sagt, stürmt der sechsjährige Oliver Zier zu seinem Vater, dem Trainer, nach vorne: ,,Papa, ich hab' gewonnen.'' Zier ist nicht ganz zufrieden, denn so rasch sollte es eigentlich gehen, die Kinder sollten sich mehr Zeit lassen: ,,So schnell? Spielt ihr Blitzschach?'', fragt er. Oliver hat sich derweil schon den Lehrer als nächsten Gegner ausgeguckt: ,,Herr Fischer, willst du gegen mich spielen?'' Ludwig Zier, Spitzenspieler und Spielertrainer beim Regionalligisten FC Marktleuthen, ist voll des Lobes über die Erst- bis Viertklässler, die er betreut: ,,Die Schulanfänger schlagen sich besonders gut'', meint er. Kindern schon mit sechs Jahren Schach zu lehren, sei keinesfalls zu früh. ,,Im Alter von sechs bis zehn Jahren gibt es in der Konzentrationsfähigkeit und im taktischen Sehen keine Unterschiede.'' Schmunzelnd fügt er hinzu: ,,Auch die Weltmeister haben alle mit fünf oder sechs Jahren angefangen.''
Etliche Fortschritte hat der erfahrene Denksportler seit September erkannt. ,,Mit einigen kann man sicher gut weiterarbeiten. Bei denen ist auf jeden Fall eine Steigerung der Spielstärke möglich.'' Ein Problem sei bei vielen noch das überhastete Spiel. Da bestehe die Gefahr, dass in überlegener Stellung ein Patt und kein Matt entsteht - wie vorhin bei der Kombination am Demobrett. Auch die ,,Fresssucht'' sei bei den Kleinen sehr verbreitet, sagt Zier. Figuren werden gerne herausgeschlagen - ein Manko, das der Trainer noch abstellen will.
Für den 46-Jährigen ist nun der nächste Schritt nicht weit: Wettkämpfe gegen andere Schulschachteams seien geplant. Voraussichtlich Anfang Juni werde ein Duell mit der Grundschule Naila ausgetragen. Und als Höhepunkt dieses Jahres will Zier die Wunsiedler Grundschüler zur oberfränkischen Schulschach-Meisterschaft schicken. Aus der jetzigen Anfängergruppe soll im kommenden Schuljahr eine Fortgeschrittenen-Gruppe werden, außerdem soll im September ein weiterer Anfängerkurs starten. Zier ist überzeugt, dass die Grundschule der richtige Ort ist, um Schachkarrieren von künftigen Vereinsspielern zu fördern: ,,Da haben sie die meiste Zeit, um ein Interesse zu entwickeln. Wenn sie zwei, drei Jahre spielen, bleiben sie auch dabei.''
Nach und nach kommen die Kinder zum Trainer, melden ihre Ergebnisse. Wenn alle Partien gespielt sind und noch Zeit ist, dürfen die Schüler hin und wieder auch mal gegen Ludwig Zier antreten. Dann geht die Partie ,,Einer gegen alle'' übers Demobrett. Heute allerdings nützen die Kinder die volle Zeit zum Spielen. Zwei Mädchen kämpfen sogar so lange, dass sie nicht fertig werden. ,,Kein Problem'', meint Ludwig Zier, ,,dann schreiben wir halt die Stellung auf.'' Genau wird festgehalten, welche Figur auf welchem Feld steht. Beim nächsten Mal wird die Hängepartie fortgesetzt.
Herbert Fischer lächelt: Oliver Zier hat ihm keine Chance gelassen. Das ist für Fischer das Faszinierende am Schach - die Kleinen können die Großen aufs Kreuz legen. ,,Körperliche Kraftverhältnisse werden außer Kraft gesetzt, ein Zweitklässler kann einen Viertklässler schlagen.'' Diese Erkenntnis sei letztlich auch wichtig für die Entwicklung der Kinder, sagt der Pädagoge. Montag, 16 Uhr: Das war's wieder einmal, die Figuren werden eingeräumt. Jetzt tollen die Kinder wieder herum - und das nächste Mal werden sie wieder dabei sein bei einer Unterrichtsstunde der außergewöhnlichen Art.



Bezirksligen gehen in die Verlängerung

Eigentlich ist die Punktspiel-Serie 2001/02 ja schon Geschichte. Doch für einige Mannschaften aus den Bezirksligen geht die Saison in die Verlängerung: Relegationsspiele um Auf- und Abstieg werden angesetzt.
Bezirksliga I: Der Blick geht nach oben in die Regionalliga Nord-West, die am 28. April ihren letzten Spieltag hat. Sollte aus der Regionalliga kein Absteiger in die B1 kommen, so werden um den freien Platz Relegationsspiele im Pokalsystem angesetzt. BSL Gäbler hat für diesen Fall schon zwei Termine festgelegt: Am 5. Mai würde Bamberg III, der Neunte der Bezirksliga I, gegen Höchstadt, den Zweitplatzierten der Bezirksliga II, West antreten. Der Verlierer aus dieser Partie spielt 2002/03 in der Bezirksliga II. Am 6. Juni gäbe es dann ein Finale um den freien Platz in der Bezirksliga I: Der Sieger aus Bamberg - Höchstadt würde dann auf Hollfeld treffen, den Drittplatzierten aus der Bezirksliga II Ost. Wie Klaus Mühlnikel, Schach-Chef beim TSV Bindlach, zum Kongress mitteilte, wird die dritte Bindlacher Mannschaft (2. Platz B2-Ost) auf die Aufstiegsspiele verzichten - das ist die große Chance für Hollfeld.
Bezirksliga II Ost: Hier ist die Situation klar: Relegationsspiele sind sicher. Denn: Es steht ja bereits fest, dass aus der B1 kein Verein in die B2-Ost kommt. Somit ist ein Platz in dieser Liga frei. Der Schachclub Schwarzenbach/Wald kann in den Relegationsspielen noch auf eigener Kraft den Klassenerhalt schaffen. Die Relegationsrunde ist aber auch die Chance zum Aufstieg für die Zweitplatzierten der drei Ost-Kreisligen.
Die Termine der Spiele im Pokalmodus:
     14. April: Schwarzenbach - 2. des Schachkreises Hof (1a)
     2. des Schachkreises Marktredwitz - 2. des Schachkreises Bayreuth (1b)
     28. April: Sieger aus 1a - Sieger aus 1b
(Die Spiele wurden nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe ausgetragen.)
Bezirksliga II West: Die drei Absteiger stehen mit Bamberg IV, PSV Bamberg und Coburg II fest. Eventuelle Relegationspiele müssten erst nach dem 02. Juni angesetzt werden, teilt BSL Gäbler mit.




MÄRZ 2002

Bezirksliga I: TS Bayreuth nach dramatischem Finale vorne

Alfred Hitchcock hätte sich dieses Finale in der Bezirksliga I wohl nicht spannender ausdenken können: Die Entscheidung fiel am letzten Spieltag, und zwar denkbar knapp. Fazit: Jubel in Bayreuth, Trauerstimmung in Kulmbach.
Dabei waren die Kulmbacher so nah dran an der Meisterschaft. Durch einen klaren Sieg im Spitzenspiel in Bayreuth übernahmen sie eine Runde vor Schluss die Tabellenführung. TS Bayreuth konnte bei seinem Gastspiel bei Pegnitz-Creußen nur noch auf einen Ausrutscher der Kulmbacher hoffen - einen eigenen Sieg natürlich vorausgesetzt. Die Wagnerstädter setzten sich dann auch knapp mit 4,5:3,5 durch. Und in Kulmbach wurden die Nordhalbener wieder mal ihrem Ruf als ,,Meistermacher'' gerecht. Sie schlugen Kulmbach ebenfalls mit 4,5:3,5 und schnappten den Bierstädter so den Titel vor der Nase weg. Bayreuth steigt damit in die Regionalliga Nord-West auf und wird dort nach dem momentanen Stand wohl den Nachbarn Bindlach II ablösen, der voraussichtlich noch eine Klasse höher aufsteigt. Herzlichen Glückwunsch, TS Bayreuth!
Ganz eng ging es auch im ,,Keller'' der B1 zu. Bamberg III zeigte beim Sieg im Abstiegsduell in Hallstadt am vorletzten Spieltag plötzlich neue Lebensgeister. Beim nächsten Endspiel um den Klassenerhalt ging dann aber gar nichts mehr: Ein 2:6 gegen Michelau bedeutete das Ende aller Hoffnungen. Denn: Hallstadt holte bei einem 4:4 gegen Waldsassen/Wiesau einen wertvollen Punkt, der die Rettung bedeutete. In der Endabrechnung hat Hallstadt zwei Brettpunkte mehr als Bamberg - das reicht zum Klassenerhalt. Bamberg bleibt jetzt nur die Hoffnung auf Relegationsspiele.

Bezirksliga II Ost: Helmbrechts hat's geschafft

Die Routiniers aus Helmbrechts haben sich durchgesetzt! Punktgleich mit Bindlach III, aber mit einem klaren Brettpunkt-Vorsprung feierten sie die Meisterschaft in der Bezirksliga II Ost. Herzlicher Glückwunsch an die Mannen um ,,Kapitän'' Ernst-Robert Kadesreuther! Auch in zwei Nervenspielen der Abschlussrunden gaben sich die Helmbrechtser keine Blöße. Zunächst siegten sie im Spitzenspiel in Thiersheim, dann machten sie gegen Kulmbach ihr Meisterstück. Bindlach hielt zwar wacker mit (ebenfalls zwei Siege), kam aber an die fabelhafte Bilanz von 51,5:20,5 Brettpunkten nicht heran. Die Helmbrechtser - ,,alte Hasen'' in der Bezirksliga II Ost - bewiesen eine konstante Form und standen deshalb zurecht ganz oben.
Die Abstiegsfrage war schon vor dem letzten Spieltag geklärt. Kirchenlamitz und Konradsreuth retteten sich mit Siegen gegen direkten Konkurrenten. Somit war klar: Die drei Aufsteiger sind auch die drei Absteiger. In der neuen Saison ab September verspricht die Bezirksliga II Ost noch ausgeglichener und spannender zu werden!

Bezirksliga II West: Platz an der Sonne für Sonneberg

Und am Ende war's doch Sonneberg. Nach zahlreichen Wechseln an der Tabellenspitze war die SG 1951 am Ende Meister und Aufsteiger. Herzlichen Glückwunsch an unsere Freunde aus Thüringen!
Zunächst wiesen sie in Runde 8 SC Bamberg IV in die Schranken. Dann kam es zu einem echten Endspiel um den Meistertitel: Gegen die punktgleichen Kronacher ließ Sonneberg nichts mehr anbrennen und siegte souverän mit 5,5:2,5. Vizemeister Höchstadt blieb bis zuletzt in Wartestellung, gewann noch zwei Mal, musste aber angesichts der Sonneberger Erfolge tatenlos zusehen.
Ein Gerangel gab es um den dritten Abstiegsplatz. Bamberg IV stemmte sich in der Schlussrunde noch einmal mit aller Kraft gegen den Abstieg. Doch ein 4:4 gegen Tettau war zu wenig, um sich noch an Burgkunstadt vorbei zu schieben. Besonders bitter: Die Schach-Hochburg Bamberg ist mit SC IV und PSV gleich doppelt vom Abstieg betroffen. SC Bamberg III wird - wenn es keine Relegation gibt - von der B1 in die B2-West kommen.