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Stehende Ovationen für den ,,guten Ludwig'' -
Hans Blinzler steht an der Spitze des Bezirksverbands

Weichenstellung in Schney: Beim Kongress am Karfreitag - der Hauptversammlung der oberfränkischen Schachvereine - gab es einen Wechsel an der Spitze des Bezirksverbands. Nach 50 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit kandidierte der langjährige Präsident Ludwig Schirner aus Hochstadt nicht mehr für diesen Posten; er wurde zum Ehrenpräsident ernannt. Zu seinem Nachfolger wählte die Versammlung den Kronacher Hans Blinzler.

DER ABSCHIED: Bewegende Momente in der ,,Franken-Akademie'' Schloss Schney: Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen und klatschten Beifall für Ludwig Schirner, den ,,Guten Ludwig''. Später machten die Vereinsvertreter den 78-jährigen Schirner per einstimmigem Votum zum neuen Ehrenpräsidenten des Bezirksverbands. Als Geschenke des erweiterten Vorstands erhielt er ein Schachspiel mit großen, schweren Figuren und eine Ehrenurkunde. Und auch der Deutsche Schachbund zeichnete ihn mit einer Ehrenurkunde aus. Ehrenpräsident Hermann Nemmert betonte, er habe seit 1948 mit Ludwig Schirner zusammengearbeitet. ,,Es war eine schöne Zeit.'' Von Hans Niedermaier, Aktivensprecher im BSB, erhielt Schirner ein Buch.
An Hans Blinzler war es, Ludwig Schirners Engagement in einer Laudatio zu würdigen. Er ließ den Werdegang des scheidenden Präsidenten Revue passieren. Fünf Jahrzehnte habe Schirner für den Schachverband gewirkt, davon 40 Jahre als Spielleiter des Doppelkreises Coburg/Kronach und Lichtenfels/Neustadt und 26 Jahre als Bezirksspielleiter. 1994 sei der Gute Ludwig zum Präsidenten des Bezirksverbands Oberfranken gewählt worden. ,,Acht Jahre lang hast du hervorragend unseren Bezirksverband repräsentiert und ihn auch würdig auf bayerischer Ebene vertreten'', sagte Blinzler. In den vergangenen zehn Jahren habe sich Schirner auch für das Seniorenschach in Bayern eingesetzt. Kurzum: ,,Eine einzigartige Persönlichkeit als Ideal eines Schach-Idealisten'' werde hier verabschiedet. ,,Eine Epoche geht zu Ende.'' Blinzler präsentierte eine Mannschaftsaufstellung aus dem Jahr 1961: Ludwig Schirner und Hermann Nemmert hätten damals in einem Team zusammengespielt - auch für das Schach in Oberfranken seien die beiden ein gutes Gespann gewesen.
Neben dem großen Engagement für das Schach hob der Laudator das Eintreten Schirners für die Gemeinschaft hervor. In zahlreichen Vereinen sei er langjähriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender, im Gemeinderat in Hochstadt wirkte er 18 Jahre lang mit. Dies alles sei aber nicht denkbar ohne die Unterstützung von Kunigunde Schirner, mit der Ludwig seit 1944 verheiratet ist. Vier Kinder und sechs Enkelkinder gingen aus der Ehe hervor. ,,Kann jemand von uns nachvollziehen, was es heißt, 50 Jahre lang mit einem Idealisten und Schachenthusiasten wie Ludwig Schirner verheiratet zu sein?'', fragte Blinzler.
Der Gute Ludwig zeigte sich sehr gerührt über die vielen lobenden Worte an diesem Vormittag. In seinen Schlussworten dankte er herzlich für den gelungenen Abschied. Er wünschte dem neu formierten Vorstand alles Gute. ,,Ich glaube, dass ein Aufschwung in Oberfranken zu sehen sein wird.''

DIE NEUWAHLEN: Mit Spannung waren die Neuwahlen des Vorstands und des erweiterten Vorstands erwartet worden. Schließlich war auch der wichtigste Posten im Bezirksverband, das Amt des Präsidenten, neu zu besetzen. Drei Kandidaten bewarben sich um die Nachfolge von Ludwig Schirner: Hans Blinzler (Vorsitzender des Kronacher SK), Hans-Gottfried Gäbler (Bezirksspielleiter aus Kirchenlamitz) und Ingo Thorn (Vorsitzender des Coburger SV). 62 Vereinsvertreter gaben ihre Stimme ab. Schon im ersten Wahlgang setzte sich der 53-jährige Blinzler durch: 33 Stimmen entfielen auf ihn, somit hatte er die absolute Mehrheit. 23 Delegierte votierten für Gäbler und sechs für Thorn.
Dem neuen Mann an der Spitze stehen künftig zwei Vize-Präsidenten zur Seite. Mit einer Satzungsänderung hatte der Kongress vorher den Weg für zwei ,,Vizes'' statt bisher einem frei gemacht. Hans-Gottfried Gäbler (Kirchenlamitz) und Thomas Carl (Weidhausen) wurden für die nächsten zwei Jahre zu Blinzlers Stellvertretern gewählt. Neuer Bezirksspielleiter ist Reiner Schulz aus Höchstadt. Zum neuen Jugendleiter wurde der Kulmbacher Wolfgang Siegert gewählt, als sein Stellvertreter fungiert Klaus Steffan (Bindlach), der gleichzeitig Schulschachreferent ist. Einen Wechsel gab es auch auf dem Posten des Schatzmeisters: Karl-Heinz Hein (Bamberg) übernimmt das Amt von Frank Rubner (Seubelsdorf), der nicht mehr kandidierte. Schriftführer ist und bleibt Reinhard Bucka aus Bamberg. Im neu gebildeten Rechtsausschuss übernimmt Thomas Strobl (TS Bayreuth) den Vorsitz. Referent für Wertungszahlen und Mitgliedererfassung ist weiterhin Hans-Gerhard Neuberg aus Kronach. Neu geschaffen wurde das Amt des Referente für Öffentlichkeitsarbeit: Jan Fischer (Kirchenlamitz) wird diese Aufgabe übernehmen. Ebenfalls neu im erweiterten Vorstand ist der Seniorenwart, Helmut Müller vom Coburger SV bekleidet dieses Amt. Internet-Referent bleibt Wolfgang Hornung (Hallstadt) und für das Breitenschach ist weiter Markus Bergmann (Kronach) zuständig. Einzig der Posten der Damenreferentin blieb unbesetzt.

DIE ANTRÄGE: Fünf Anträge lagen den Delegierten zur Abstimmung vor. Kleinere, vor allem redaktionelle Änderungen in der Satzung hatte Ingo Thorn vom Coburger SV angeregt; sie wurden ohne Gegenstimme beschlossen. Mehr Diskussionen gab es hingegen über einen Antrag von Hans Gäbler: Er plädierte dafür, dass das erste Brett bei einem Mannschaftskampf besetzt werden müsse, die übrigen Bretter könnten unbesetzt bleiben, wenn ein Spieler fehle. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Keine Mehrheit fand auch der Vorschlag des Schachkreises Hof, die Gewinnpartienwertung wieder in Oberfranken einzuführen.
Zwei Anträge aus dem Schachkreis Hof befassten sich mit der Ausrichtung des oberfränkischen Kongresses; beide wurden mit Mehrheit beschlossen. Demnach fand der Kongress in diesem Jahr letztmals am Karfreitag statt. Der Termin der Hauptversammlung ist künftig flexibel, vermutlich wird künftig zu einem späteren Zeitpunkt getagt. Zudem wird der Kongress ab dem kommenden Jahr nicht mehr regelmäßig im Lichtenfelser Ortsteil Schney stattfinden. Mit 36:27 Stimmen entschied sich die Versammlung dafür, in Zukunft jährlich zwischen Veranstaltungsorten im Osten und im Westen Oberfrankens zu wechseln. Um den Kongress 2003 bewerben sich Helmbrechts und Bindlach.

DIE EHRUNGEN: Eine Ehrung des Bayerischen Schachbunds erhielt Hans-Gottfried Gäbler von Kurt Ewald, dem Vizepräsidenten des BSB. Seit über 30 Jahren sei Gäbler schachlich tätig, sagte Ewald. Als Bezirksjugendleiter, Bezirksspielleiter, Kreisspielleiter und Vorsitzender habe er sich Verdienste erworben. Dafür gab's eine Ehrennadel.
Mit Ehrentellern - eine Auszeichnung übrigens, die Ludwig Schirner eingeführt hat - wurden verdiente Schachspieler gewürdigt. Die Bamberger Dr. Horst Pfleger, Reinhard Bucka und Dieter Beuchler erhielten den Teller aus den Händen des scheidenden Präsidenten.
Bezirksspielleiter Hans-Gottfried Gäbler übergab zahlreiche Urkunden an Spieler und Vereinsvertreter. Er beglückwünschte Horst Wunder (Nordhalben), der in der Woche vor Ostern oberfränkischer Einzelmeister geworden war. Auch Bezirksliga-Meister TS Bayreuth erhielt eine Urkunde, ebenso wie die Aufsteiger aus den zweiten Bezirksligen, SG Sonneberg (West) und SK Helmbrechts (Ost).

DIE WORTMELDUNGEN: Grußworte, Hinweise und Berichte: Wie üblich wurde viel geredet beim Kongress, der im Übrigen äußerst sachlich und harmonisch verlief. Der Lichtenfelser Bürgermeister Winfried Bogdahn - selbst passives Mitglied beim SV Seubelsdorf - erklärte zu Beginn, es sei ,,eine große Freude'', dass der Kongress in seiner Stadt über die Bühne gehe. Kurt Ewald, Vizepräsident im BSB, überbrachte die Grüße des bayerischen Präsidenten Dr. Klaus-Norbert Münch. Ewald leitete im Übrigen auch die Versammlung in souveräner Art und Weise.
Der scheidende BSL Hans Gäbler erinnerte sich an ,,schöne Stunden'', die er in Schney verbracht habe. Für die Zukunft müsse man über neue Termine für die Einzelmeisterschaften in Schney nachdenken, die rückläufige Teilnehmer- und Übernachtungszahlen zu verzeichnen hätten. Eine Möglichkeit sei, die Erwachsenen-Meisterschaften mit den Titelkämpfen der Jugend im Januar zusammenzulegen. An den Nachwuchsturnieren hätten 62 Jugendliche und Kinder und teilgenommen, berichtete Jugendleiter Reiner Schulz.
Der bisherige Schatzmeister Frank Rubner blickte zurück auf seine achtjährige Tätigkeit: Die Einführung des Lastschrift-Einzugsverfahrens und die Reduzierung der Kosten seien im Mittelpunkt seiner Arbeit gestanden. Eine einwandfreie Kassenführung bestätigten die Revisoren Kilian Hoffmann und Manfred Popp aus Seubelsdorf. Daraufhin sprach sich die Versammlung für die Entlastung von Kassier und Vorstand aus.
Ingo Thorn aus Coburg wies auf die Problematik der Bezahlung tschechischer Spieler hin. Werde mehr bezahlt als das Reiseentgelt, sei der Verein steuerpflichtig. Zudem kämen bei einem Unfall des ausländischen Spielers unter Umständen versicherungsrechtliche Probleme auf den Verein - und den Vorsitzenden als gesetzlichen Vertreter - zu. Thorns Meinung zum Einsatz von Tschechen: ,,Das ist nicht unbedingt gesund für den Schachsport.'' Junge Leute hätten nicht die Perspektive, höhere Bretter zu erreichen, sagte Thorn unter dem Beifall der Delegierten.