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Hier werden die Beiträge des Referenten für Öffentlichkeitsarbeit veröffentlicht, die in der Rochade Europa und anderen Fachzeitschriften erscheinen.

März 2004
Januar 2004
Oktober 2003
September 2003

ARCHIV 2002/2003

MÄRZ 2004

Lokalmatador Bezold:
Vom letzten Platz ganz nach vorne


(Reportage aus der Frankenpost)

Ein Großmeister-Turnier im Schach ist wie ein Tennis-Grand-Prix: Die Austragung bleibt meist Städten in den Ballungsräumen vorbehalten. Die Internationalen Fränkischen Großmeister-Tage in Waischenfeld, Kreis Bayreuth, bilden eine löbliche Ausnahme: Könner und Kenner des Denksports treffen sich hier in familiärer Atmosphäre beim zweitstärksten Wettbewerb im deutschen Schach-Turnierzirkus. Und: Einer der "Hausherren" spielt um den Sieg mit.

"Schachfreunde, die Runde ist freigegeben." Punkt 16 Uhr erklärt Schiedsrichter Rainer Niermann die Partien für eröffnet. Fortan kehrt Ruhe ein im Turniersaal. "Handys ausschalten", mahnt ein Schild an der Tür. Das Drücken der Schachuhren, die leisen Schritte der Zuschauer und das nervöse Bein-Wippen der Spieler sind die einzigen Geräusche. So hautnah wie hier kann man Spitzenschach in unserer Region sonst nur selten erleben. Entsprechend stark ist das Zuschauerinteresse: Bis zu 100 Interessierte aus ganz Oberfranken und Mittelfranken kommen Tag für Tag. "Für Schach-Verhältnisse eine große Zahl", sagt Cheforganisator Thomas Bezold.

Die Großmeister-Tage sind ein Familien-Unternehmen: Die drei Bezold-Brüder haben sich zusammengetan, um das Großereignis auf die Beine zu stellen. Da ist Christian, der Gastwirt der "Pulvermühle", der Räume und Unterkunft zur Verfügung stellt. Da ist Thomas, der sich um Organisation und Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Und da ist Michael, der Großmeister, der starke Spieler nach Oberfranken lockt und selbst mitmischt. Wenn es um die Motivation geht, ein solches Turnier auf die Beine zu stellen, fällt immer wieder ein Name: Kaspar Bezold. Der Vater der Dreien. Die ersten Großmeister-Tage im Jahr 2000 hat Bezold senior noch miterlebt, wenig später ist er verstorben. Heute erinnert der Kaspar-Bezold-Weg direkt an der Gaststätte an den rührigen "Pulvermüller".

Die "Pulvermühle" - ihr guter, legendärer Ruf ist der zweite Grund, warum sich elf Könner aus Frankreich, Schweden, England, den Niederlanden und Deutschland zehn Tage lang im 3200-Einwohner-Ort Waischenfeld treffen. Weltmeister Tigran Petrosjan war im Jahr 1968 der erste Prominente, der in der "Pulvermühle" zu Gast war. International sorgte die Gaststätte für Schlagzeilen, als der lange Zeit verschollene Ex-Weltmeister Robert "Bobby" Fischer sich 1990/91 drei Monate in der Fränkischen Schweiz versteckte. Seitdem hat die "Pulvermühle" in Schachkreisen endgültig Kultstatus. Das spiegelt sich sogar in der Speisekarte der Großmeister-Tage 2004 wider: "Bobby's favorite" wird hier kredenzt - leckere Schweinelendchen in Pilzsoße, wie sie Fischer gerne mochte.

Elf Runden müssen die acht Großmeister und drei Internationalen Meister bei dem stark besetzten, ausgeglichenen Einladungsturnier absolvieren. Maximale Spielzeit pro Partie: sechs Stunden. In der achten Runde muss Lokalmatador Bezold gegen den Engländer Stuart Conquest ran. "Hier geht es um einen Spitzenplatz", weiß Thomas Bezold. Entsprechend konzentriert geht der 31-jährige Michael zu Werke. Die Kiebitze scharen sich vor allem um sein Brett, beobachten aber auch die übrigen vier Partien sowie die Duelle im Nachwuchs-Cup und Jugend-Qualifikationsturnier. Einige Waischenfelder kennen "den Michael" schon lange: aus seinen Anfangsjahren, als er noch beim Schachclub Waischenfeld spielte. Im Jahr 1998 wurde er schließlich Großmeister - einer von wenigen, die in Oberfranken diesen Titel tragen. Mit Bruder Thomas hatte er die Idee zu den Fränkischen Großmeister-Tagen, die nun - mit Hilfe eines Pools von 15 Sponsoren - zum zweiten Mal über die Bühne gehen.

Die Partie gegen Conquest hat noch keine klaren Konturen. Selbst geübte Vereinsspieler können keine Vorteile für einen der beiden Spieler erkennen. Im Analyseraum - dorthin werden alle Partien dank moderner Internettechnik live übertragen - kommentiert Großmeisterin Almira Skripchenko an ihrem spielfreien Tag die Auftritte der Konkurrenten. "Michael und Stuart sind die langsamsten Spieler des Turniers", sagt sie mit einem Schmunzeln. Conquest hat eine scharfe Variante gewählt, setzt auf Erfolg, um sich Chancen auf das Preisgeld für die vordere Plätze zu erhalten. Erst nach fast vier Stunden tut sich Entscheidendes am Brett: Michael Bezold behält in der Zeitnotphase die Nerven und führt acht Sekunden vor der Zeitkontrolle den 40. Zug aus; nach dieser Hürde bekommt der Spieler eine weitere Stunde gutgeschrieben. Aufatmen bei den Zuschauern im Turniersaal und im Analyseraum. Skripchenko, die für Frankreich am Start ist, hat nun keine Zweifel mehr: "Michael steht auf Gewinn." Und sie weiß auch aus eigener Erfahrung, dass Bezold nun umdenken sollte: "Er muss jetzt die Zeitnot vergessen, sich wieder auf die neue Stellung einstellen. Jetzt geht es ins Endspiel, dafür muss er einen Plan entwickeln."

Der Turniersaal ist derweil fast wie leer gefegt. Die übrigen Partien sind bereits beendet. Die Kiebitze haben sich in den Analyseraum zurückgezogen. Michael Bezold hat mitbekommen, dass Jan Gustafsson - der bislang Führende - nur Remis gespielt hat. Ein Sieg jetzt, und er zieht mit Gustafsson gleich. Michael steht auf, läuft einige Schritte auf und ab, lässt sich mögliche Varianten durch den Kopf gehen. Dann ist er wieder am Zug, schaut wie gebannt aufs Brett. Uhrenarmband und Daumen müssen als "Blitzableiter" für die Nervosität herhalten. Hin und wieder ein Schluck ein dem Wasserglas, dann legt er den Kopf in die Hände: volle Konzentration auf die nächsten Züge. Im Analyseraum freuen sich die Fans schon: "Michael gewinnt, Conquest kann aufgeben." Und tatsächlich: Nach fünf Stunden und 25 Minuten gratuliert der Engländer dem Lokalmatador zum Sieg.

Der Computer setzt Michael Bezold im Zwischenstand auf Platz eins vor dem punktgleichen Gustafsson. "Damit hätte ich nicht gerechnet", sagt Bezold. Insgeheim habe er gehofft, den dritten Platz der Großmeistertage-Premiere im Jahr 2000 zu wiederholen. "Ich wusste aber auch, ich kann noch besser spielen." Dabei sprach die Setzliste für dieses Turnier eine klare Sprache: Bezold war das "Schlusslicht". Doch nach einer Auftaktniederlage spielte er sich nach vorne. Ein Knackpunkt war dabei die Partie in der fünften Runde gegen den Schweden Jonny Hector. Michael stand am Rande einer Niederlage, hatte nicht einmal eine Minute für die letzten fünf Züge bis zum 40. Zug auf der Uhr. "Ich habe gezittert, es war mein schlimmste Zeitnotschlacht", sagt der Waischenfelder. Zwei Sekunden vor Ende der Zeit machte er den 40. Zug. Die Partie endete schließlich nach fast sechs Stunden remis. "Da habe ich drei, vier Stunden gebraucht, um abzuschalten."

Für Michael Bezold ist die Teilnahme an Großmeister-Turnieren mittlerweile zu einer Seltenheit geworden: "Ich habe schon lange nicht mehr gegen so viele starke Gegner in so kurzer Zeit gespielt." Aus der Turnierszene habe er sich zurückgezogen, spielt stattdessen für Bundesligist Hamburger SK sowie für Vereine in Österreich und Frankreich. "Nebenbei" schloss er noch sein Studium als Diplom-Kaufmann ab und will nun als Strategieberater eines Unternehmens ins Berufsleben einsteigen. Das Schach wird dann wohl nur noch die "zweite Geige" spielen.

Umso mehr genießt Michael den Auftritt vor eigenem Publikum und läuft zur Hochform auf. Ganz klar: Jetzt will er "alles", den Sieg bei den Großmeister-Tagen. Aber drei starke Gegner warten noch auf ihn. An kommende Aufgaben Partie wird er erst am nächsten Morgen denken. Bis dahin sitzt er erst einmal mit den Konkurrenten zusammen - das gibt's nur in der "Pulvermühle", während bei den großen Open wie in Dortmund die meisten Spieler ihre eigenen Wege gehen. Schach steht dann im Hintergrund, die Geselligkeit im Vordergrund. "Wir spielen noch Karten, und das geht bis in die Nacht hinein." Dennoch werden sie alle fit sein, wenn es am nächsten Tag wieder heißt: "Schachfreunde, die Runde ist freigegeben."

Weitere Infos:
Die Turnierseiten



JANUAR 2004

Kommentar
Oberfränkische Meisterschaft: Wo sind die Meister?

An den Fakten kommt man nicht vorbei: Von 18 (statt vorgeschriebenen 20) Spielern im Meister-Turnier der "Oberfränkischen" hatten nur 50 Prozent eine DWZ von über 2000. Akteure aus den großen, mitgliederstarken, traditionsreichen, erfolgreichen oberfränkischen Vereinen Bindlach (Zweite Bundesliga), Bamberg (Oberliga) und Kulmbach (Regionalliga) glänzten durch Abwesenheit. Nur die Hälfte der Kreismeister war dabei. Die Mehrzahl der Teilnehmer ist in einer Klasse unter der Regionalliga aktiv. Jedem sollte klar sein: Das Niveau der oberfränkischen Einzel-Meisterschaft sinkt - bedrohlich, möchte man hinzufügen.

Woran liegt's? Ist es wirklich die grassierende Schach-Müdigkeit, die oft ins Feld geführt wird? Dagegen spricht, dass oberfränkische Spieler - auch hochkarätige - mitunter weite Fahrten zu Open auf sich nehmen und dort erfolgreich spielen. Das legt den Schluss nahe: Die oberfränkische Meisterschaft ist nicht mehr attraktiv genug. Die wahren Meister fühlen sich unterfordert, wenn der Topgesetzte DWZ 2150 hat. Da gibt's bei den Open die besseren Gegner, die ELO-Zuwachs versprechen - und wenn's gut läuft, nimmt man noch ein Preisgeld mit nach Hause.

Sicher, die oberfränkischen Schachtage haben auch viele positive Aspekte gebracht: Die Jugendlichen sind wieder nach Schney geströmt, haben viel Spaß am Schach gezeigt und vermittelt. Das Quali-Turnier der Erwachsenen scheint die Talsohle durchschritten zu haben; die Teilnehmerzahl ging nach oben. Dazu: Top-Bedingungen, Top-Organisation. Ein dickes Lob an Reiner Schulz, Wolfgang Siegert, Klaus Steffan und Karl-Heinz Hein! Und doch bleibt der Makel, dass das Turnier, auf das naturgemäß die meisten schauen, auf etliche "Großen" der oberfränkischen Schach-Szene verzichten musste.

Uns, den Ausrichtern vom Schachbezirk Oberfranken, kann und darf es nicht gleichgültig sein, wenn das Aushängeschild oberfränkische Einzel-Meisterschaft - der Höhepunkt jeder Saison - immer mehr Kratzer bekommt. Tatenlos zusehen ist der falsche Weg, auf Ursachenforschung gehen der richtige. Denn, Schney 2004 hat's gezeigt: Es besteht dringend Handlungsbedarf!


Meinungen dazu sind erwünscht - im
Diskussionsforum auf der BVO-Hauptseite!


OKTOBER 2003

80 Jahre Ludwig Schirner: Großer Bahnhof in Hochstadt

Fotos vom Geburtstag:
Bildergalerie

Zahlreiche Weggefährten aus nah und fern kamen, um dem ,,Guten Ludwig'' zu gratulieren: Der 80. Geburtstag unseres Ehrenpräsidenten Ludwig Schirner war ein Ereignis. Zum ,,großen Bahnhof'' in Hochstadt kamen auch Vertreter des BVO, allen voran Präsident Hans Blinzler. Seine Laudatio könnt ihr hier nachlesen.



SEPTEMBER 2003

Schach in all seinen Variationen gezeigt
Umfangreiches Programm des Kronacher Schachklubs

Foto-Eindrücke:
Hier geht's zur Bildergalerie

Im Rahmen des Altstadtfestes hatte sich der Kronacher Schachklub (KSK) vorgenommen, das Königliche Spiel in all seinen Variationen zu präsentieren. Zur Vorstellung des Turnierschachs war eine Mannschaft des SC Heilsbronn angereist, die in der Bezirksliga spielt. Da die gastfreundlichen Kronacher eine kombinierte Mannschaft aus allen vier Turnierteams aufboten, war der Ausgang ziemlich eindeutig und die Gäste holten nach zweieinhalb Stunden einen 6:3-Erfolg. Die einzigen Siege der Gastgeber erzielten dabei Alex Becker am Spitzenbrett sowie der Jugendliche Dominik Biniszewski an Brett 8, am "Vorstandsbrett" trennten sich die Vereinsvorsitzenden Blinzler und Frank ebenso remis wie Hans-Chr. Weigand an Brett 3.
Auch beim anschließenden spannenden Blitzschachturnier setzte sich mit Udo Röschinger ein Heilsbronner bei 8 Punkten aus 9 Partien durch, der aber bis zur letzten Runde von seinen härtesten Konkurrenten Ludwig Zier (Wunsiedel), 2. mit ½ Punkt weniger sowie Hans Blinzler (KSK), 3. mit 6,5 Punkten, und dem Heilsbronner Vorsitzenden Werner Frank, 4. mit 6 Punkten, früher für Kronach spielend, bedrängt wurde.
Die Sparte Schnellschach wurde durch die Jugend präsentiert, die unter Leitung von Hans-G. Neuberg ein Turnier austrug. Hier siegte Verena Zier aus Wunsiedel vor ihrem Bruder Oliver und dem Kronacher Johannes Lang, bei 6 Teilnehmern.
Den ganzen Tag über waren die Gartenschach-Figuren der beiden Kronacher Realschulen aufgebaut, was auch eifrig von den zahlreichen Besuchern genutzt wurde. KSK-Lehrwart Alex Becker beschränkte sich in seiner Schulschach-Stunde dagegen auf wenige ausgewählte Jugendspieler, die eifrig an seinem Unterricht teilnahmen.
Eine besondere Attraktion der Schachpräsentation war der Auftritt des mehrmaligen deutschen Blindenschachmeisters Ludwig Zier, der vom Moderator der Kronacher Ulrich Herdin zunächst interviewt wurde und dann eine Probe seines Könnens mit einem Sieg gegen den Bezirks-Breitenschachreferenten Markus Bergmann demonstrierte. Eine Glanzleistung war sein Blind-Simultan-Wettkampf gegen drei Gegner, "von 8 bis 80", die er ausnahmslos souverän gewann.
Die gelungene Schach-Werbeveranstaltung des KSK wurde mit der Ziehung der Preisträger des ganztägig durchgeführten Problemlöse-Wettbewerbs abgeschlossen, wobei Spielleiter Hans-G. Neuberg den Preisträgern aus Stadt und Landkreis einige interessante Sachpreise überreichen konnte.
(Bericht von Hans Blinzler)