LAUDATIO +++ LAUDATIO +++ LAUDATIO +++

,,Einzigartige Persönlichkeit eines Schach-Idealisten''

Folgende Laudatio trug Hans Blinzler im Auftrag des erweiterten Vorstands für den scheidenden Präsidenten Ludwig Schirner vor:

,,Sehr verehrter Präsident, werte Ehrengäste, liebe Schachfreunde,

in wenigen Minuten wird die neue Vorstandschaft des BVO gewählt und damit ist die Amtszeit - und somit auch das schachliche Funktionärsleben unseres hochverehrten Präsidenten Ludwig Schirner, dem "Guten Ludwig", beendet. Die Vorstandschaft des BVO hat mich beauftragt, das 50-jährige Wirken unseres Guten Ludwig für unseren Schachsport zu würdigen.

Es heißt zwar, dass nie so viel gelogen wird, wie
- vor einer Wahl (die kommt gleich als nächster Tagesordnungspunkt)
- nach einer Jagd (die hab´n wir heute hoffentlich nicht hier drin) - und
- bei einer Verabschiedung (bei der bin ich gerade);
aber bei Ludwig Schirner könnte man versuchen, hochzustapeln oder zu übertreiben wie man wollte - man hätte doch immer noch nicht genug gesagt. Wir danken dir, Guter Ludwig, dass du zwei Drittel der Jahre deines bisherigen Lebens unserem Schachsport gewidmet hast, ihm zu seiner heutigen Stellung in Oberfranken verholfen hast. 40 lange Jahre hast du als KSL der beiden Schachkreise CO-NEC, LIF-KC gewirkt und man kann sich kaum vorstellen, dass es noch einen Kreis im deutschen Schach gab, wo alles so gut geklappt hat, den sein KSL so gut im Griff hatte.

Natürlich spielt unser Guter Ludwig auch Schach und das gar nicht schlecht, bis in die Bezirksliga hinein war er ein anerkannter Gegner. Bei meinen Recherchen für diese Verabschiedung bin ich auf eine Mannschaftsmeldung von 1961 gestoßen, auf der Ludwig Schirner am sechsten Brett der ersten Mannschaft (von dreien) für Michelau gemeldet ist. Am ersten Brett findet man übrigens Hermann Nemmert, unseren späteren Präsidenten und jetzigen Ehrenpräsidenten, mit ihm zusammen hat Ludwig Schirner jahrzehntelang das oberfränkische Schach geleitet.

Gelernt hat Ludwig Schirner das ernsthafte Schachspielen übrigens wie so Viele in russischer Kriegsgefangenschaft. 1949 als Kriegsversehrter in die Heimat zurück gekehrt, spielte er schon bald im SK Michelau, dem er bis heute treu geblieben ist. In diesem Verein war er jahrzehntelang Vorsitzender, ist heute Ehrenvorsitzender und leitete bis in die Gegenwart die Jugendausbildung. Ich glaube, lieber Ludwig, ich darf dir hier stellvertretend für die Michelauer Schachfreunde für diesen enormen Vereinseinsatz danken.

Wenn man auf 1956, seit dem warst du KSL, die 40 Jahre drauf schlägt, kommt man auf eine Amtszeit bis 1996. Aber parallel dazu hast du schon seit 1968 das schwere und arbeitsreiche Amt des BSL im Schachbezirk Oberfranken übernommen und bis 1994 zur allgemeinen Zufriedenheit ausgeübt. Guter Ludwig, wir danken dir herzlich dafür. Den Doppelschachkreis hast du erst abgegeben, nachdem du - getreu deiner selbst auferlegten Verpflichtung - einen jüngeren, guten Nachfolger gefunden hattest.

1994 hast du dann die Präsidentschaft für Oberfranken übernommen, aber auch wieder erst, als du deine Nachfolge als BSL in tüchtigen Nachfolgerhänden wusstest. 8 Jahre lang hast du hervorragend unseren BVO repräsentiert und ihn auch würdig auf bayerischer Ebene vertreten, wir danken dir dafür.
Auf dieser, der bayerischen Ebene, bist du vor gut 10 Jahren in einer Schachsparte aktiv geworden, die es in Bayern noch gar nicht gab, dem Seniorenschach. Auf deine Initiative hin wurde hier in Schney 1991 der erste gesamt deutsche Länderkampf ausgetragen. Ab 1994 bist du im BSB-Präsidium der Seniorenreferent und hast u.a. 1998 die bayerische Seniorenmeisterschaft in Schney und an gleicher Stelle deutsche Schnellschach und Blitzmeisterschaften für Senioren organisiert. Deine Seniorenarbeit hat auch auf deutsche Ebene ausgestrahlt, Ludwig Schirner ist einer der sieben Gründungsmitglieder des Förderverbands Seniorenschach in Deutschland. Wir danken dir für deinen hervorragenden Einsatz für unsere Schachsenioren.

Man könnte noch lange über die Schachfunktionärstätigkeit des Ludwig Schirner referieren, aber da fehlt noch etwas anderes, um diese einzigartige Persönlichkeit als Ideal eines Schach-Idealisten zu charakterisieren.

Das eine ist sein außerschachliches Eintreten für die Belange der Gemeinschaft. Meine Auf-zählung muss wegen der gebotenen Kürze einfach unvollständig sein. Ein paar Stichpunkte sollen genügen, ihr alle wisst, dass die vollständige Liste recht lang wäre: - Kleintierzüchterverein Hochstadt - 20 Jare 1. Vorsitzender, heute Ehrenvorsitzender.
- Sportfischereiverein Hochstadt-Marktzeuln - Gründer und 18 Jahre 1. Vorsitzender, heute Ehrenvorsitzender.
- Gemeinderat Hochstadt, 18 Jahre, Ehrenurkunde der bayerischen Staatsregierung
- FC Hochstadt - 20 Jahre Spielleiter, Vorsitzender, Pressereferent, heute Ehrenmitglied
- und, und, und ..........
- sowie auch Mitglied in weiteren einheimischen Vereinen

Ein Freund und Förderer unseres Gemeinschaftswesens:
Das sagt sich so leicht, so steht's auch immer in der Zeitung. Haben wir das alles gewusst, haben wir nicht immer gedacht, unser Guter Ludwig sei nur für unser Schach da ? Haben wir uns vorstellen können, dass unser Guter Ludwig z. B. nach einer Kreisversammlung - sagen wir mal um 17.00 Uhr - nicht wie die meisten von uns in Ruhe heim fahren und einen gemütlichen Samstagabend genießen konnte. Weiß überhaupt jemand von uns was es heißt, dann noch zwei verschiedene Vereinsveranstaltungen zu besuchen und spät nachts daheim noch Presseberichte darüber zu verfassen ?? Wohl keiner von uns weiß es. Guter Ludwig, wir danken dir heute auch für deinen Einsatz für unser Gemeinschaftswesen.

Ein weiterer Punkt, der für das Gesamtbild "Guter Ludwig" erforderlich ist. Und der betrifft seine Frau Kunigunde, verheiratet mit ihrem Guten Ludwig seit 1944, vier Kinder, sechs Enkelkinder sind das Zählbare. Gilt auch für Kunigunde Schirner das Wort, das wir ihrem Mann widmen: "Ein Leben für das Schach"? An Spieltagen auf jeden Fall, jahrelang. Ihr Ludwig weilte schon wieder bei seinen Fußballern oder Fischern oder Sängern, seine Kunigunde hörte geduldig sämtliche Mannschaftsergebnisse ab und füllte gewissenhaft die vorgelegten Listen aus.

Ich habe ein Zitat gefunden von Ephraim Kishon, weltberühmter israelischer Schriftsteller und Journalist, das hier passt: "Eine lange Ehe (das sind im Fall der Schirners immerhin schon an die 60 Jahre) Eine lange Ehe bedarf einer klugen Ehefrau." - Übrigens, ganz nebenbei: Ephraim Kishon ist am 23.08.1924 geboren, das ist auf den Tag genau ein Jahr nachdem in Schwürbitz ganz hier in der Nähe der kleine Ludwig Schirner auf die Welt kam. Interessant, auch Kishon spielt leidenschaftlich gern Schach.

Doch noch einmal zurück zu Kunigunde Schirner. Kann jemand von uns hier im Saal nachvollziehen, was es heißt, 50 Jahre lang mit einem Idealisten und Schachenthusiasten wie Ludwig Schirner verheiratet zu sein? Wohl kaum. Lieber Guter Ludwig, diesmal danken wir nicht dir, sondern deiner Frau Kunigunde und bitten dich, ihr das auch heute noch auszurichten.

Liebe Schachfreunde, die Zeit ist fortgeschritten, sicher könnte ich noch lange über unseren scheidenden Präsidenten reden. Aber die Zukunft liegt vor uns. Ein Zitat von Konfuzius, dem chinesischen Philosophen um 500 v.Chr. lautet: " Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald Sorgen haben!" - Liebe Schachfreunde, diesem Zitat entsprechend bitte ich um euer Verständnis, dass sich unser verdienter Schachidealist, ja - Schachfanatiker schon lange Zeit vor seiner Verabschiedung Gedanken gemacht hat, wie es ohne ihn weiter gehen soll im ober-fränkischen Schach. Und dabei hat er konsequent seinen Weg beschritten, nämlich erst dann zurückzutreten, wenn eine gute Nachfolge für sein Amt in Sicht ist. Vielleicht hat unser guter Präsident dabei ein wenig übers Ziel hinaus geschossen und seine "ideale Zukunftsmannschaft" ein wenig zu viel herausgestellt - zumindest für den Geschmack einiger von euch. Doch wollen wir in dieser Stunde des Abschieds nicht in Anbetracht einer großen Schachvergangenheit auf kleinen Fehlern herumhacken. Wollen wir ihm zugestehen, dass immer und auch bei der Vorbereitung für diesen zukunftsweisenden Kongress ihm das Wohl seines Bezirksverbands im Mittelpunkt stand.

Lieber Guter Ludwig, "Abschied ist die Geburt der Erinnerung", sagte Salvador Dali. Wir alle hier, stellvertretend für 2000 oberfränkische Schachfreunde, wünschen dir, dass du für diese Erinnerung an deine Erfolge, deine so fruchtbare Arbeit, auch deine kreativen Innovationen noch viele Jahre Zeit hast. "Abschied ist die Geburt der Erinnerung", bedeutet für uns aber auch, dass wir uns daran erinnern, dass wir einen Unvergleichlichen haben durften, einen zwar nicht immer von allen gleich gelobten, aber geliebten und anerkannten Spielleiter oder Präsidenten. In wenigen Augenblicken ist unser Guter Ludwig nicht mehr unser Präsident, liebe Schachfreunde, wollen wir uns ihm zu ehren von unseren Plätzen erheben und seinem Wirken Beifall zollen.

Lieber Guter Ludwig, habe Dank für alles, was du für uns und unseren Schachsport getan hast. Du hast deine Spuren hinterlassen, wir werden versuchen, in diesen Spuren in eine gute Schachzukunft zu gehen. Alles, alles Gute.

Ich danke Ihnen.''