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Daheim in Erfurt wartete die Grillparty...

Je länger das Simultan dauerte, desto öfter blickte Großmeister Thomas Pähtz auf die Uhr. In der letzten Partie ließ er gar eine Uhr aufbauen, um gegen Emil Jusifow im Blitz-Endspurt zu gewinnen. Den Grund für die Eile wussten nur wenige Eingeweihte: Pähtz hatte am Abend zu einer Grillparty mit Freunden, Bekannten und Verwandten eingeladen. Beginn: 19 Uhr. Ob der Gastegber pünktlich in Erfurt war, ist nicht bekannt...
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Manche Bretter waren dicht umlagert, einige Spiele gerieten fast zu Beratungspartien - vor allem weil die russischen Aussiedler aus Hof sehr aktiv über die Stellungen diskutierten. Das bekam auch Thomas Pähtz mit. Einmal unterband er die Beratungen: ,,Ich kann auch russisch!'' - was er sogleich mit ein paar russischen Aussprüchen bewies.
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Es wäre ein Rechenexempel für angehende Mathematik-Studenten: Wie viel Kilometer hat der Großmeister in sechs Stunden zurückgelegt? Sicher kam da eine ordentliche Wanderstecke zusammen. Bei den letzten zwei Partien lief Pähtz sogar mit Jogging-Tempo zwischen den Brettern hin und her. Der Mann muss eine gesunde Kondition haben. Erstaunlich, dass er trotz der körperlichen und geistigen Anstrengung bei zum Teil sengender Hitze nur hin und wieder am Wasserbecher nippte. Zu essen wollte er nichts.
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Günter Fuchs aus Hof war ein doppelter Gewinner. Zunächst hatte er Glück und gewann in der Verlosung des Hofer Anzeigers - der Hofer Lokalausgabe der Frankenpost - eine kostenlose Teilnahme am Simultan. Dann war er der erste, der jubeln durfte: Zu einem recht frühen Zeitpunkt gönnte ihm der Großmeister ein Remis. Fuchs, ehemals Aktiver beim Schachklub Hof, kommentierte fachkundig: ,,Die Stellung war wirklich ausgeglichen. Es war noch keine Figur geschlagen worden.''
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An alles hatten die Organisatoren im Vorfeld gedacht - eines konnten sie beim besten Willen nicht beeinflussen: das Wetter. Die Hofer Wetterstation verkündete allerdings bereits am Donnerstag, dass es trocken bleiben soll. Und die ,,Wetterfrösche'' behielten recht: Zwar zog sich der Himmel schon bedenklich zu, aber bis auf winzige ,,Spritzer'' war's ideal. Die meiste Zeit waren Kopfbedeckungen gegen die Sonne gefragt - da spielten Farbe und Aussehen der Hüte nur eine sekundäre Rolle.
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Der Tag des Schachs hatte internationale Resonanz: ,,Soeben erhielt ich die Information über das große Schachturnier in Hof und freue mich riesig über die große Interesse der Hofer'', schrieb Lieselotte Hinton aus den USA wenige Tage vor dem Event. Und weiter: ,,Ich bin die Enkelin des Herrn August Horn, der vor Jahren einmal Schachmeister von Oberfranken war und mithalf, den Club in Hof auf die Beine zu bringen. Es würde mich wahnsinnig freuen, wenn sein Name genannt und geehrt würde. August Horn und der Schachclub waren damals EIN Wort und es ist mir noch gut in Erinnerung, dass ich nie meines Großvaters Zimmer betrat ohne ihn vor dem Brett sitzen zu sehen.Es freut mich unheimlich, dass Hof so begeistert weiter arbeitet und daß es so viele Schachfreunde gibt, jung und alt. Mein Großvater wäre stolz darauf.'' Lilo Hinton schließt mit den Worten: ,,Meine Gedanken werden übers Wochenende in Hof sein.'' Herzliche Grüße nach Amerika!
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Das Schachspieler oft auch Originale sind, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Zu dieser Spezies gehört auf jeden Fall auch Hans Döhnel aus Hof: Der 79-Jährige kam auf dem Fahrrad (!) von Selb zum ,,Tag des Schachs''. Hier spielte er Vergleichskampf und Simultan - bevor er sich wieder auf den Sattel schwang und die rund 30 Kilometer nach Selb zurückradelte. Hut ab vor so viel Fitness!
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Veranstalter war der Schachkreis Hof - aber auch der oberfränkische Schachverband unterstützte die Veranstaltung. Das zeigte schon die Anwesenheit zahlreicher Funktionäre aus dem Bezirk. Präsident Hans Blinzler - ständig im Gespräch mit Spielern und Zuschauern - freute sich über die ,,rundum gelungene Veranstaltung''. Nach seiner Meinung war es gut, dass in Hof die einzige Veranstaltung in Oberfranken stattfand. Hätte es noch ein zweites Event - etwa in Kronach - gegeben, hätte man sich gegenseitig Konkurrenz gemacht. Und das wäre nicht im Sinne der (Werbe-)Sache gewesen.