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Bezirk Oberfranken Ein Wintermärchen
08.01.2007 von Jan Fischer

Schney 2007: Ein Wintermärchen


Die oberfränkischen Schachtage 2007 waren wieder ein echtes „Event“: 158 Teilnehmer kamen in die Franken-Akademie auf Schloss Schney (bei Lichtenfels). Mit 108 Kindern und Jugendlichen sowie 50 Erwachsenen wurden nahezu die Zahlen des Vorjahres erreicht.


Das „Meister“: Erstmals zwei Sieger

Der DWZ-Durchschnitt im Meister-Turnier ist im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken – die Spannung hingegen ist noch gestiegen. Arkadiy Urytskyy (FC Konradsreuth) und Kurt-Georg Breithut (SC Bamberg) lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das jedem Tatort-Krimi zur Ehre gereicht hätte. Vor der neunten und letzten Runde lagen sie punktgleich an der Spitze – und auch im Finale gelang es keinem der beiden, sich abzusetzen: Am Ende ihrer hart umkämpften Partien stand jeweils ein Remis. Somit waren die zwei überragenden Spieler dieser Meisterschaft mit 6,5 Punkten gleichauf. Doch auch die Buchholz-Wertung und die Feinwertung, die zur Ermittlung des Siegers herangezogen wurden, waren exakt gleich. Ein seltener Fall, wie er wohl nur alle 100 Jahre einmal vorkommt, und allemal ein Novum für unseren Bezirksverband: Wir haben zwei oberfränkische Meister! Altmeister und Pokalsieger Urytskyy und Neu-Bamberger Breithut folgen auf Viktor Schindler (PTSV-SK Hof), der diesmal nicht teilnahm und vertreten beide die oberfränkischen Farben bei der bayerischen Meisterschaft.


Das „Quali“: Bastian Stieg kämpft sich nach vorne

Ein 26-Jähriger vom SV Walsdorf hat alle überrascht: Bastian Stieg, im Qualifikationsturnier auf Platz 17 gesetzt, spielte sich ganz nach vorne und gewann nach sechs Runden verdient mit 4,5 Punkten. Dabei warf der Sensationsmann unter anderem den Topgesetzten Janusz Gorniak (SC Höchstadt) aus dem Rennen um den Turniersieg. Punktgleich mit Stieg folgten Jürgen Franz (SF Bad Steben) und Wolfgang Söder (TV Hallstadt) auf den Plätzen. Stieg und Franz haben Plätze im Meister-Turnier 2008 ergattert, Söder kann auf einen Platz als Nachrücker hoffen.
Das Quali-Turnier war zwar von der Spielstärke her nicht so stark besetzt wie im vergangenen Jahr, zog aber erneut 32 Teilnehmer an. In sechs Runden an drei Tagen kämpften sie um Punkte und Platzierungen.


Die Jugend: Favoriten machen nach hartem Kampf das Rennen

Stark besetzt waren die Jugend-Meisterschaften: Fast alles, was im Schachbezirk Rang und Namen hat, war dabei. So gab es in der Setzliste klare Favoriten, die sich letztlich auch durchsetzten. Allerdings musste der eine oder andere mehr um den Titel kämpfen als ihm lieb war.

Äußerst souverän spielte Artjom Verlatov (PTSV-SK Hof) in der U18 und holte in der Königsklasse der Jugend die Krone. Matthias Stöcklein (TV Hallstadt) war in der U16 ebenfalls unangefochten und blieb in sieben Runden ungeschlagen. Ein bisschen schwerer tat sich Alexander Kuhlemann (SC Bamberg), seinen Titel in der U14 zu verteidigen – erst in der letzten Runde stellte er den Sieg sicher. In der U12 gab es einen Doppelsieg für die oberfränkische Jugend-Hochburg Kronach: Tobias Becker siegte vor seinem Vereinskameraden Johannes Pfadenhauer. Jannik Ditterich (TV Hallstadt) heißt der – bisher DWZ-lose – Sieger in der U10, Jan Hertel (ASV Rehau) holte seinen bislang bedeutendsten Titel in der U8.
Die beiden Besten der einzelnen Altersklassen haben sich für die bayerische Jugend-Meisterschaften qualifiziert, die im April ausgetragen werden.

Traditionell wurde die Teilnehmer im Anschluss an die Meisterschaften zum Blitzschach gebeten, um hier ihre Champions zu küren. Brandon Bizzell (SC Bamberg) nahm in der U18 als "Trostpflaster" den Titel mit nach Hause. In der U16 sicherte sich Matthias Stöcklein (TV Hallstadt) als einziger Teilnehmer das "Double" aus Turnierschach- und Blitzschach-Meisterschaft. Sven Küspert (FC Marktleuthen) bewies in der U14, dass er ein starker Blitzer ist; vielleicht spielte er sich ein bisschen den Frust aus der Meisterschaft von der Seele und holte den Blitzschach-Sieg. Unglaubliches trug sich in der U12 zu: Matthias Greger (SV Thiersheim) kam, sah und siegte. Der Siebtplatzierte der U12-Einzelmeisterschaft (noch ohne DWZ) gewann alle neun Blitz-Runden und verwies unter anderem den bayerischen Blitzmeister, seinen Vereinskameraden René Stingl, auf die Plätze. Theresa Friedmann holte einen Titel für den Jubelverein SK Kulmbach, der heuer sein 100. Jubiläum feiert - in der U10 blitzte sie am besten. Und in der U8? Da war Timo Hertel (ASV Rehau) im Blitzen etwas besser als Jan Hertel.


Hinter den Kulissen: Ein eingespieltes Team

Zu sechst war diesmal das Organisationsteam der Schachtage: Markus Bergmann, Karl-Heinz Hein, Christoph Kastner, Reiner Schulz, Wolfgang Siegert und Klaus Steffan sorgten dafür, dass das größte Event des Bezirksverbands reibungslos funktioniert. Über die fünf Tage war das eingespielte Team vor Ort und stand jederzeit für Fragen von Teilnehmern zur Verfügung. Das Rahmenprogramm – mit drei bestens besuchten Gaudi-Blitzturnieren als Höhepunkt – wurde hervorragend angenommen. Und für alle Interessierten daheim wurde die Turnierseite im Internet immer wieder mit aktuellen Informationen „gefüttert“. Am Ende gab’s wieder jede Menge Lob für die Organisation, die „Schney 2007“ erst zu dem gemacht hat, was es war: eine Werbung für den Schachsport, ein Wintermärchen.

Hinter den Kulissen wird aber auch darüber diskutiert, was man noch besser machen kann. An der Organisation und Vorbereitung an sich wird sich sicher im kommenden Jahr nichts ändern. Zur Debatte wird ein Vorschlag stehen, das Quali-Turnier für Teilnehmer außerhalb Oberfrankens zu öffnen. Auch eine Reform des Meister-Turniers soll auf den Tisch kommen: Wird hier die Runden- und Teilnehmerzahl reduziert? Es bleibt auch nach Schney viel Arbeit – bis zum Januar 2008, wenn es wieder heißt: „Auf zu den oberfränkischen Schachtagen!“


Jan Fischer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit


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