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Bezirk Oberfranken Trauer um Ehrenpräsident Ludwig Schirner
12.11.2005 von Alvin

Oberfränkische Schach-Szene jahrzehntelang an entscheidender Stelle geprägt

Der Schachbezirk Oberfranken nimmt Abschied von einem seiner „Großen“: Ludwig Schirner ist am Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Jahrzehntelang hatte der „Gute Ludwig“ aus Hochstadt als Bezirksspielleiter und Präsident die oberfränkische Schach-Szene entscheidend geprägt; im Jahr 2002 wurde er zum Ehrenpräsidenten des Bezirksverbands ernannt.

Nach 50 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit wurde Ludwig Schirner bei der Mitgliederversammlung 2002 als Präsident des Schachbezirks verabschiedet. Mit stehenden Ovationen, vielen Geschenken und Lobreden dankten ihm die Vereinsvertreter für seinen außergewöhnlichen, unvergleichlichen Einsatz.

Bereits 1956 hatte Schirner das Amt des Kreisspielleiters im Doppelkreis Coburg-Neustadt/Lichtenfels-Kronach übernommen. Er gilt als Begründer dieses Doppelkreises, der vor wenigen Jahren zum Kreisverband umbenannt wurde. 40 Jahre – bis 1996 – leitete er die beiden Kreise im Westen Oberfrankens. Parallel dazu übernahm er schon 1968 das Amt des Bezirksspielleiters, das mit sehr viel Arbeit verbunden ist. Die Verantwortung für den Spielbetrieb im oberfränkischen Schach hatte Schirner ebenfalls ungewöhnlich lange Zeit inne: Erst 1994 stellte er das Amt zur Verfügung – und stieg zum Präsidenten auf. Acht Jahre repräsentierte er den Bezirksverband, vertiefte seine Kontakte zum Bayerischen Schachbund, bevor er 2002 auch dieses, höchste Amt abgab und zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.

Doch auch auf bayerischer Ebene setzte sich der Ludwig Schirner für das Schach ein. Sein Engagement galt dem Seniorenschach – einer Sparte, die es in Bayern noch gar nicht gab. 1991 wurde auf Schirners Initiative der erste gesamtdeutsche Länderkampf der Senioren ausgetragen. Ab 1998 wurde Schney bei Lichtenfels zum alljährlichen Treffpunkt für die über 60-jährigen Schachspieler aus Bayern. Ludwig Schirner war Gründungsmitglied des Fördervereins Seniorenschach in Deutschland.

Ludwig Schirner war bis zuletzt aktiver Schachspieler. In russischer Kriegsgefangenschaft hatte er den Denksport für sich entdeckt. 1949 kehrte er als Kriegsversehrter in seine Heimat zurück. Fortan spielte er für den Schachklub Michelau. Hier widmete er sich der Jugendarbeit, war Vorsitzender und wurde Ehrenvorsitzender.

Hohe Auszeichnungen erhielt Schirner wie kein anderer Funktionär aus Oberfranken. Neben der Würde der Ehrenpräsidenten – der höchsten Auszeichnung des Bezirksverbands – wurde er zum Ehrenmitglied des Bayerischen Schachbunds ernannt, und der Deutschen Schachbund verlieh ihm den Ehrenteller. Die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublikk Deutschland rundete die lange Reihe von Ehrungen ab.

Sein ehrenamtliches Engagement beschränkte sich jedoch nicht nur auf Schach: Im Kleintierzuchtverein, im Sportfischereiverein, im Fußballclub in Hochstadt übernahm er ebenfalls jahrelang den Vorsitz. 18 Jahre war er im Gemeinderat von Hochstadt tätig.
Ludwig Schirner war 60 Jahre verheiratet, hatte vier Kinder und sechs Enkelkinder.

In Schach-Oberfranken und weit darüber hinaus war Schirner nur als „Guter Ludwig“ bekannt. Der Beiname kam nicht von ungefähr: Der Verstorbene war kein Funktionär, der von oben herab Entscheidungen fällte. Seine menschliche Art ist es, die allen seinen langjährigen Weggefährten in Erinnerung bleiben wird. Mit einer klaren Meinung, immer aber auch mit einem Schuss Humor leitete er unzählige Versammlungen. Wichtig war es ihm, dass man sich – auch wenn unterschiedlicher Meinung war – noch in die Augen schauen konnte. Seine Person stellte er dabei nie in den Vordergrund. Für andere unzählige Stunden seiner Freizeit zu opfern, war für ihn selbstverständlich.

Ludwig Schirner wurde am Freitag in Hochstadt beigesetzt. Den Nachruf für die oberfränkischen Schachfreunde sprach Präsident Hans Blinzler.

Jan Fischer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Schachbezirk Oberfranken


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