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Kreise Coburg-Neustadt / Lichtenfels-Kronach Abschied von "Herrn Schach"
26.06.2006 von Jan Fischer

Zum Andenken an Robert Zach (31. 8. 1926 – 27. 4. 2006)

Wenn er denn einmal dazu kam, sich an ein Schachbrett zu setzen, dann lächelte er fein und leise und seine Augen leuchteten ein wenig mehr als sonst. Und an diesem Ausdruck änderte sich nichts, gleich wie die Partie verlief. Er hatte einfach Freude daran, Schach nicht gegen jemanden, sondern mit jemandem zu spielen. Nicht das Ergebnis zählte, sondern das Zusammensein unter Schachfreunden. Oft genug kam er jedoch gar nicht dazu, selbst die Figuren zu bewegen, doch das reute ihn nicht. Eine ebenso große Freude bereitete es ihm, auf vielfältige Weise seinen Beitrag dazu zu leisten, dass andere sich dem königlichen Spiel widmen konnten.

Die Rede ist von Robert Zach, der seit 1947 dem Schachverein Seubelsdorf angehörte und dort zahlreiche Ämter bekleidete. Er war seit seinem Eintritt in den Verein bis zu seinem Tode fast ununterbrochen Kassier; er fungierte zudem als Materialwart, Jugendleiter, Spielleiter und Schriftführer. Äußerst tatkräftig stand er den Ersten Vorsitzenden zur Seite, erst Max Prell, dann über 20 Jahre hindurch Hans Richter. Weit über seine vereinsinternen Funktionen hinaus war Robert Zach stets ein engagierter Betreuer der Kinder und Jugendlichen, die er in all ihren Belangen unterstützte. In den frühen 80er Jahren war er unter der Seubelsdorfer Jugend als „Herr Schach“ bekannt, und das war durch und durch respektvoll gemeint. Robert Zach wollte dabei nie im Mittelpunkt stehen, sondern immer nur helfende Hand sein, und gerade deswegen bildete er über Jahrzehnte hinweg die Mitte im SVS, um die sich alles drehte und von der alles auf ordnende Weise bewegt wurde. Schlagworte wie „Herz“ und „Seele“ des Vereins drängen sich hier geradezu auf und passen so gut wie in kaum einem anderen Fall. Er war kein bloßer Funktionär, obwohl er den Verein stets in reibungslosem Funktionieren hielt, er war ein engagierter Mensch. Mit einfachen, treffenden und wohlwollenden Worten und schlichten Gesten der Unterstützung stand er seinen Schützlingen stets zur Seite. Als Vorbild und als Freund hat er nicht nur das Schachleben, sondern auch das Leben zahlreicher Menschen positiv mit geprägt, hat oft im Stillen geholfen und gefördert. Vorbildlich war ebenfalls die harmonische Ehe mit seiner Frau Anni, die sein Engagement für die Jugend und für das Schach teilte.

Viele im Schachbezirk werden ihn noch persönlich kennen; anderen wird er wegen seiner unaufdringlichen Art nicht unmittelbar bekannt sein, obwohl er vom Verband verdiente Ehrungen erhielt. Auch das Geschehen auf Bezirksebene hat Robert Zach nämlich nachhaltig geprägt: Ihm ist es nicht nur zu verdanken, dass ein Dorfverein wie der SVS zu einem auf allen Ebenen Achtung gebietenden und dadurch das allgemeine Niveau hebenden Spielpartner geworden ist. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, die vorher von Verein zu Verein weitergereichten Oberfränkischen Einzelmeisterschaften auf Schloss Schney fest und sicher zu verankern. Dorthin holte sie 1989, zum 60jährigen Vereinsjubiläum des SVS, erstmalig der „Guten Ludwig“ (Ludwig Schirner) geholt; Robert Zach, wie immer das bescheidene und nimmermüde ‚Mädchen für alles’, unterstützte ihn dabei und betrieb die Logistik gleichsam im Alleingang. Auch hier war er die stille, aber formende und unverzichtbare Kraft im Hintergrund, und er blieb es viele Jahre hindurch, bis ihn selbst die Kraft zu verlassen begann.

Trotz zunehmender gesundheitlicher Einschränkungen kümmerte er sich in den vergangenen Jahren um den lokalen und regionalen Schachbetrieb und blieb auch mit der Vielzahl von Personen in Kontakt, welche nach und nach die Aufgaben übernommen hatten, die ihm zuvor als Einzelnem oblagen. Als ihn seine Krankheit immer mehr beanspruchte, machte es ihm jedes Mal große Freude, wenn sich Bekannte und Freunde aus der Schachwelt bei ihm meldeten. Und auch umgekehrt: Als er in der Saison 2004/2005 noch einmal alle Kraft zusammennahm und ein Heimspiel „seiner“ Seubelsdorfer besuchte, begrüßten sie – und auch die Gäste – ihn mit stehendem Beifall.

Am 27. April 2006 ist Robert Zach nach langer und schwerer, aber sehr geduldig und geradezu heiter ertragener Krankheit verstorben – auch in seinem Leiden wollte er sich nicht in den Mittelpunkt stellen und wurde gerade so zum Vorbild. Bei seiner Beerdigung hielt Hans Richter, Vorsitzender des SVS, eine bewegende Rede. Der schöne große Kranz, den der SVS seinem „Herrn Schach“ stiftete, dürfte schon längst verwelkt sein. In vielen Herzen lebt das Andenken an Robert Zach weiter, in vielen Erinnerungen lächelt er immer noch fein und leise, und es ist nur gut und angemessen, wenn wir ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dr. Uwe Voigt


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