Oberfränkische Schachtage 2005
02.-06.01.2005
Frankenakademie "Schloss Schney"
Webmaster
© by Klaus Steffan
aktualisiert am 08. Jan 05 00:41

Abschlussbericht

Oberfränkische Schachtage:

Opitz der König auf Schloss Schney

Ein 19-Jähriger hat die Krone im oberfränkischen Schach erobert: Alexander Opitz gewann souverän das Meisterturnier in Schney. Nach neun harten Runden hatte der Bindlacher einen Punkt Vorsprung.

Das Meisterturnier war in den ersten Runden von einer hohen Remisquote geprägt. Abtasten statt attackieren war an den Spitzenbrettern angesagt. Erst ab Runde fünf wurden die Konturen der Tabelle klarer, in den Spitzenduellen hieß es öfter „Alles oder Nichts“. Frühzeitig verabschiedete sich der Titelverteidiger, Arkadiy Urytskyy vom FC Konradsreuth, aus dem Meisterschaftsrennen. Nach vier Runden hatte er gerade einmal eineinhalb Punkte gesammelt. Mit 5,5 Punkten musste er sich am Ende – nach einer Aufholjagd in der zweiten Turnierhälfte – mit einem siebten Platz zufrieden geben.

Bis zur fünften Runde spielte Stefan Wunder (FC Nordhalben) eine nahezu perfektes Turnier und setzte sich an die Spitze. In Runde sechs wurde der Meister von 2003 von Andreas Wetscherek – einem von drei jungen, ehrgeizigen Teilnehmern aus der Schach-Hochburg Bindlach – gestoppt. Fortan kam Wunder auf keinen grünen Zweig mehr und musste nach einer Niederlage in Runde acht gegen Alexander Opitz seine Meisterträume endgültig begraben.

Opitz - der zweitjüngste Teilnehmer im hochkarätig besetzten 20er-Feld – war als Nummer drei der Setzliste ins Rennen gegangen. Vor ihm nur sein Vereinskamerad Wetscherek, der ebenfalls von Bayreuth zu Bindlach gewechselt war, und Arkadiy Urytskyy. Der 19-jährige Landesliga-Akteur verstand es perfekt, genau im richtigen Moment zu remisieren – oder aber einen Sieg zu erzwingen. So kam in allen neun Runden immer genau das Ergebnis zustande, das ihn voranbrachte und die Konkurrenz auf Distanz hielt. Mit vier Siegen und fünf Unentschieden war er auf Schloss Schney der König – und einer der jüngsten oberfränkischen Meister aller Zeiten obendrein.

Vizemeister wurde Hans-Ulrich Herdin (Kronacher SK), der mit zwei Siegen zum Abschluss noch auf 5,5 Punkte kam; in der Buchholz-Wertung war er besser als fünf Punktgleiche. Ebenfalls den Sprung aufs Treppchen schaffte noch Andreas Wetscherek auf Platz drei.

Ein Blick ins Qualifikations-Turnier: Dort fiel erst in der letzten Partie am Spitzenbrett die Entscheidung. Und die war denkbar knapp: Nach sechs Runden lagen vier Spieler mit 4,5 Punkten gleichauf in Führung. Die Buchholz-Wertung sah Semen Urytskyy (FC Konradsreuth) und Josef Bodenschatz (TSV Kirchenlaibach) relativ klar vorn. Sie dürfen am Meisterturnier 2006 teilnehmen. Das Nachsehen hatten nach einem durchwegs spannenden „Open“ Manfred Rahn (FC Marktleuthen) und Uwe Voigt (Pegnitz-Creußen) auf den Plätzen drei und vier.

Die Meisterschaften der Jugend

Auch U18-Titel geht nach Bindlach 

Je sechs oberfränkische Meistertitel im Normalschach und im Blitzschach waren in den Jugendklassen zu vergeben. 77 Kinder und Jugendliche kämpften um Punkte, Pokale und Platzierungen. Der Titel in der „Königsklasse“ der U18 ging – wie bei den Erwachsenen – nach Bindlach: Alexander Öhrlein ließ nichts anbrennen.

Es waren die Tage der Favoriten: Von der U18 bis hinunter zur U8 setzten sich Spieler durch, die man vorher auf der Meisterrechnung hatte. Alexander Öhrlein erlaubte sich in der U18 nur zwei Remis, ebenso wie Artjom Verlatow (PTSV-SK Hof) in der U16. Enger ging es an der Spitze der U14 zu: Fabian Angermann (SK Kulmbach) lag nur nach „Buchholz“ knapp vor Christian Horter (Einberg-Rödental). Gleichauf kamen auch Alexander Kuhlemann (Memmelsdorf) und Frederik Bergmann (Seubelsdorf) ins Ziel – die Buchholz-Wertung entschied für Kuhlemann. Nach neun Runden bei den Kleinsten hatten Tobias Becker (Kronacher SK/U10) und Adrian Funk (Kronacher SK/U8) die Nasen vorn. In allen Altersklassen fahren jeweils die beiden Bestplatzierten zur bayerischen Meisterschaft.

Bei der oberfränkischen Blitzmeisterschaft, die traditionell zum Abschluss der Jugendturniere ausgetragen wurde, dominierte Andreas Reißner vom FC Marktleuthen. Im 48-Teilnehmer-Feld lag er nach 15 Runden klar vorne. 12,5 Punkte verbuchte der Normalschach-Vizemeister der U18. Weitere Titel gingen an: Artjom Verlatow (PTSV-SK Hof) in der U16, der damit als einziger Spieler das „Double“ perfekt machte, Matthias Stöcklein (TV Hallstadt) in der U14, Sven Küspert (FC Marktleuthen) in der U12, Georg Müller (SC Höchstadt) in der U10 und Jakov Dolgov (PTSV-SK Hof) in der U8.

Ein Fazit...

Schachtage boten Spitzenschach

Nach fünf oberfränkischen Schachtagen ist es Zeit für eine erste Bilanz. Und da steht auf der Haben-Seite ein dickes Plus bei der Organisation, die wieder von vielen Beteiligten besonders gelobt wurde. Ein Quartett hatte hinter den Kulissen die Fäden in der Hand: Schatzmeister Karl-Heinz Hein, der wieder genesene Bezirksspielleiter Reiner Schulz, Jugendleiter Wolfgang Siegert und Internet-Referent Klaus Steffan. Sie haben ihre Freizeit von früh bis spät geopfert, um einen reibungslosen Turnierablauf zu garantieren.

„Wo sind die Meister?“, lautete im vergangenen Jahr noch die Frage nach dem Meisterturnier. Diesmal gab’s die Antwort: Vor allem die Teilnahme von drei jungen Leuten aus Bindlach tat der Meisterschaft gut. Die Titelkämpfe waren etwas stärker besetzt als im vergangenen Jahr und boten Spitzenschach und hart umkämpfte Partien. Auch in den kommenden Jahren muss es ein vorrangiges Ziel sein, möglichst viele herausragende Spieler aus Oberfranken in Schney ans Brett zu bringen. In dieser Form – mit einer gesunden Mischung aus frischen Kräften und etablierten Akteuren – wird das Meisterturnier wieder zum Aushängeschild. Erfreulich auch, dass die Teilnehmerzahl bei den Erwachsenen leicht gesteigert werden konnte. Das beweist, dass viele Turnierspieler gerne nach Schney kommen.

Bei den Jugendlichen ging zwar die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück – aber auf hohem Niveau. Es war nahezu alles dabei, was Rang und Namen hatte. Dass sich die Favoriten recht souverän durchsetzten, spricht für ihre Qualität und Nervenstärke – auf bayerischer Ebene ist dem einen oder anderen oberfränkischen Vertreter Großes zuzutrauen.

Bemerkenswert zudem: Die Meistertitel der Jugend sind auf Vereine quer durch Oberfranken verteilt. Das zeigt: Es bringt wenig, über die schlechte wirtschaftliche Lage und vermeintlich ungünstige Rahmenbedingungen in Oberfranken zu klagen. Wer Jugendarbeit betreibt, wer in seinem Verein etwas auf die Beine stellt, kann früher oder später bei Meisterschaften die Früchte ernten. Auch dies ist eine Erkenntnis von Schney 2005.

 

Jan Fischer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit